Jahrgang

Sei du selbst, alle anderen gibt es schon.

Oscar Wilde

Ich

wirke nicht, um zu überzeugen.
Ich gebe dem Unsichtbaren eine Form.
Um zu berühren. Um zu erinnern. Um Räume zu öffnen.
Damit artgerechtes SoSEIN im DaSEIN sichtbar wird.

Denken

Ich liebe es zu denken. Nicht das Drehen im Kreis, das nur Kraft kostet und nirgendwo hinführt – sondern das wirkliche Durchdringen einer Sache, bis sie sich mir öffnet.

Diese Liebe zum Denken war auch mein Werkzeug, als die Welt um mich herum aus den Fugen geriet. Hinterfragen, nachfragen, abwägen, viele Perspektiven gleichzeitig bedenken. So habe ich mir durch meine Traumata hindurch Sicherheit geschaffen. Nicht als kalte Analyse, sondern als Weg, wieder festen Boden unter die Füße zu bekommen.

Bis heute ist das Denken für mich beides zugleich. Ich sitze gern in philosophischen Cafés und lasse Fragen zwischen uns kreisen, ohne dass es eine schnelle Antwort geben muss aus reiner Lust am Durchdringen. Ich denke gern in die Tiefe statt an der Oberfläche zu bleiben, vorausschauend statt nur für den Moment, und liebe die Vielschichtigkeit einer Sache mehr als die einfache Antwort. Und genauso oft denke ich ganz pragmatisch: nach Lösungen, nach Ideen, nach dem nächsten Schritt. Mein Verstand arbeitet wie ein Brückenbauer. Ich verbinde persönliche Erfahrungen, philosophische Gedanken und feine Gefühle zu völlig neuen, überraschenden Zusammenhängen.

Für mich ist das Denken kein rein rationaler Prozess, sondern ein leidenschaftliches Erkunden der Welt, die mich umgibt. Aus diesem tiefen Denkprozess entsteht die Klarheit und die Struktur, die meinen Texten und Impulsen ihr starkes Fundament geben.

Schreiben

Ich gebe inneren Bildern und Erkenntnissen eine Sprache. Daraus entstehen Texte, Geschichten und Impulse, die berühren dürfen. Für mich ist das Schreiben weit mehr als nur das Aneinanderreihen von Worten. Es ist meine ureigene Art, die Welt zu begreifen und das Unsichtbare sichtbar zu machen.

Ich schreibe, um zu reflektieren, um meine Erkenntnisse festzuhalten, um mich mit Themen auseinanderzusetzen. Schreiben verlangsamt mein Gehirn, wenn es einen Prozess durchdringt – es gibt dem Denken den Raum, den es braucht, um wirklich anzukommen. In jedem von uns existiert eine reiche Innenwelt voller Bilder, flüchtiger Gedanken und tiefer Wahrheiten. Oft fehlen uns im Alltag die Worte dafür. Genau dort beginnt meine Arbeit: Ich lausche hin, fange diese stillen Impulse ein und baue meine Welt aus all den Silben.

Ich schreibe Poesie, Prosa und Geschichten – in mehreren Welten, jede mit ihrer eigenen Stimme. Mal persönlich, mal formeller, mal kreativ, mal mitten im Tabu, dort, wo man lieber schweigt. Ich will berühren, und ich will Nachdenken provozieren: Menschen zum Hinschauen bringen, zum Prüfen, was wirklich für sie stimmt, statt ihnen fertige Antworten zu liefern.

Malen

Ich mache sichtbar, wofür Worte manchmal nicht ausreichen. Farben, Formen und Linien erzählen von inneren Welten und mehr. Zeichnen und Malen wird zu einem Weg, innezuhalten, wahrzunehmen was ich denke, fühle, erlebe und im Körper spüre. Was in diesem Moment die eigene Aufmerksamkeit erfordert, um eine tiefere Verbindung zu mir selbst herzustellen.

Kreativität, Malen, Zeichnen ist für mich wie eine stille Meditation. Je nach Tagesform mal ein Zwiegespräch mit meiner Innenwelt, mal ein reines Lauschen, dem ich einfach nur Raum gebe. Ich spüre den Impulsen nach, spüre auch den Verstand mit seinen Vorstellungen, der mir die Umsetzung dabei regelmäßig erschwert. Erkenne, wo ich überall Programmierungen in mir trage. Manche stammen aus Erziehung und Prägung, manche aus meinen Traumata. Im kreativen Prozess versuche ich, ihnen zu entkommen – Schicht für Schicht, Strich für Strich.

Neugier

Das ist meine Antriebsfeder für ein Leben in innerer Fülle. Der Drang, etwas Neues zu lernen oder zu entdecken, ist tief in mir verwurzelt und ich genieße es, innere und äußere Welten zu entdecken. Jede Entdeckung, jeder Gedanke, jede Begegnung ist ein neues Puzzleteil, das mir hilft, das gesamte Kunstwerk Leben besser zu verstehen.

Ich betrachte die Welt mit offenen Augen und genieße es zutiefst, sowohl die inneren als auch die äußeren Welten zu erkunden. Ich liebe dieses Gefühl von echter, kindlicher Neugier – und ja, ich fühle mich tatsächlich innerlich wie ein Kind: offen, frei, neugierig, eines, das alles probieren möchte.

Diese Neugier ist nicht selbstbezogen. Ich bin genauso interessiert an anderen Menschen, an fremden Welten, an Denkrichtungen, die nicht meine eigenen sind. Die Welt hat so viel zu bieten – und die Natur genauso. Ob es um die Tiefe der menschlichen Psyche geht, um die Wunder der Natur oder um völlig neue Themenfelder – ich will es begreifen, erforschen, durchdringen. Diese kindliche Offenheit erlaubt es mir, immer wieder staunend vor den Wundern des Alltags zu stehen, statt auf festgefahrenen Pfaden zu bleiben.

Heilungswege

Die vielschichtigen Erfahrungen meines Lebens haben mich Schritt für Schritt in die eigene Tiefe geführt. Aus dieser Reise ist mein Universum gewachsen – in Worten, Bildern, Gedanken und Silben.

Der Weg hört nie auf. Ich bin noch mittendrin, und das ist gut so. Therapien, Ausbildungen, Denken, Schreiben, Malen – all das waren und sind meine gewählten Wege der Heilung. Ich habe mich für sie entschieden, um mich mit den schockierenden Tatsachen meines Lebens auseinanderzusetzen, um für mich etwas Schönes daraus zu machen. Den goldenen Schnitt in den hässlichen und schmerzverzerrten Fratzen des Lebens zu entdecken, das ist meine Kunst, meine Silbengebilde, meine Resilienz, meine Haltung zum Leben. Aus dem Schatten ins Licht, von Tristesse zu bunt, wie das Leben selbst ist. Vielfältig.

Wirkräume

Ich habe ganze Welten erschaffen. Jede ist wie ein kleiner oder auch größerer Funken. Ein Stern der für mich auf meiner Reise des Lebens ein Wegweiser wurde durch die Landschaften meiner Innenwelt.

Diese Welten sind auch nach außen gerichtet. Ich möchte etwas davon weitergeben: die Idee, dass es immer Möglichkeiten gibt, das Leben zu verschönern – egal, wie schlimm es einem mitgespielt hat. Ich musste resilient werden, ideenreich, weil ich sonst die Anforderungen des Lebens nicht bewältigt hätte. Eine Haltung zieht sich durch mein ganzes Leben: aus wenig viel machen, aus Mangel Möglichkeiten schaffen. Ich habe mich entschieden, dem Schmerz, dem Trauma etwas entgegenzusetzen. Daraus wurde ich zur Schöpferin, zur Kämpferin, zur Lebenskünstlerin und zur Sammlerin, was das Leben lebenswert macht.

Werte

Mein Leben stützt sich auf leise, innere Pfeiler. Sie leuchten wie Sterne in der Nacht und zeigen mir den Weg durch Sturm und Sonnenschein.


Der Pfeiler der Klarheit ist mein stärkstes Fundament, ein stilles Licht, das den Nebel vertreibt und mir meinen wahren Weg zeigt.

Der Pfeiler des Mitgefühls ist mit einem offenen Herzen auf die Welt zu blicken. Mein Mitgefühl ist ein leises, warmes Licht, das die Dunkelheit anderer erhellt, ohne sie verändern zu wollen. Ich bin da, auf Augenhöhe, im Sturm wie im Sonnenschein.

Der Pfeiler der Freiheit ist der endlose Horizont. Sie erinnert mich daran, dass ich meinen eigenen Weg wähle und im Einklang mit meiner eigenen Wahrheit durch mein Leben wandere, um die zu sein, die ich wahrhaftig bin.

Der Pfeiler der Menschlichkeit ist großherzig und hilfsbereit zu sein, wo immer es nötig ist, und Mitmenschlichkeit zu leben in einer immer verrohenderen Welt.

Der Pfeiler der Offenheit ist das weite Fenster meiner Seele. Diese Offenheit lässt mich aufgeschlossen sein für andere Denkrichtungen, Ansichten, Lebensweisen und Überzeugungen. Ich finde es spannend zu hören, warum jemand so denkt und lebt, wie er es kundtut und interessiere mich für die Gründe hinter dem Warum.

Über allem spannt sich die Liebe. Sie ist wie ein Mantel, der alles umarmt, selbst das Böse – nicht weil sie es gutheißt, sondern weil sie es erträgt, ihm standhält, ohne daran zu zerbrechen.