Dieser Begriff stammt aus der Psychologie, den nicht unbedingt jeder kennt und noch viel weniger wirklich versteht, wenn er nicht vom Fach ist, oder sich damit beschäftigt hat. Er beschreibt einen unbewussten Vorgang: Wir übertragen eigene Gefühle, Gedanken oder innere Konflikte auf andere Menschen und nehmen sie dort im außen wahr, anstatt sie bei uns selbst zu erkennen.
Das berühmte Zitat aus der Bibel (Matthäus 7,3-5 und Lukas 6,41-42): „Den Splitter im Auge des anderen sehen, aber den Balken im eigenen Auge nicht bemerken.“ trifft den Punkt, um den es mir geht.
Ein Mensch, der mit Wut kämpft, aber sie nicht fühlen darf, erlebt den anderen vielleicht als aggressiv. Ein Mensch, der sich selbst ablehnt, liest Ablehnung aus Blicken heraus, die keinen gemeint haben. Die Welt da draußen (Ereignisse, Situationen, Menschen, Äußerungen) ist der Spiegel für das eigene Denken und Fühlen im Inneren.
Diese Projektionen, wenn man sie denn erkennt, lassen sich nutzbar machen für die eigenen Schwachstellen und Glaubenssätze. Und ich bin mir ziemlich sicher, jeder hat sie. Denn jeder von uns bewertet das Wahrgenommene durch seine eigene Brille.
Sehr gut zu beobachten, wenn 5 Leute ein Gemälde anschauen und beschreiben, was sie darin sehen. Wollen wir wetten, jeder sieht etwas anderes.
Das ist das Konzept der Projektion. Real, weit verbreitet und oft ein Grund für Missverständnisse. Denn wer projiziert sieht die Welt nicht so, wie sie ist, sondern wie er selbst ist. Die Welt zu sehen wie sie ist, heißt ich bewerte nicht, sondern stelle einfach nur fest, ohne ein eigenes Urteil darüber zu fällen. Treffe ich ein Urteil, bewerte ich es nach meinen Maßstäben, Wissen, Glauben, Werten, Moral, Ethik und Gefühlen. Doch all das sind meine ureigenen Sichtweisen und haben oft nicht mit dem zu tun, was wirklich ist.
Mein Verstand erzeugt Gedanken und kreiert meine Realität. Oft geschehen diese Interpretationen und Bewertungen unbewusst. Jetzt könnte ich mich fragen: Steuer ich mich, oder mein Verstand? Das ist wirklich eine ernste Frage. Ich habe es mir zur Aufgabe gemacht, weil ich dieses Projektion Phänomen verstanden habe, mir sofort eine Frage zu stellen, wenn ich etwas in mir bemerke, worauf ich reagiere.
Was hat das mit mir zu tun?
Wenn ich die Verantwortung für die eigenen Wahrnehmungen meines Denkens, meiner Gefühle und Handlungen übernehme beginnt die Welt plötzlich anderes zu werden und wahrer Wandel beginnt. Es bedarf einer radikalen Ehrlichkeit mir selbst gegenüber und der Wille, sehr aufmerksam zu sein für meine eigenen Reaktionen.
Das UND ist entscheidend
Es gibt Projektion UND es gibt Menschen, die etwas wirklich wahrnehmen, das andere nicht sehen wollen.
Wer mit einem Trauma aufgewachsen ist, hat oft in einem System gelebt, in dem Überleben davon abhing, kleinste Veränderungen in Stimme, Körperhaltung, Stimmung wahrzunehmen. Das Nervensystem hat gelernt: Sei wachsam und beobachte ganz genau. Dein Leben hängt davon ab. Diese Fähigkeit nennt sich Hypervigilanz und sie ist keine Störung. Sie war eine überlebenswichtige Intelligenz, ein Schutzmechanismus, der funktioniert hat.
Segen und Fluch der Präzision
Stell dir vor, du hast dein ganzes Leben lang ein Instrument gespielt. Nicht aus Freude, sondern weil es sein musste. Und weil falsche Töne Konsequenzen hatten, wurde das Ohr feiner und die Finger schneller. Die Wahrnehmung schärfer als die der meisten anderen.
Genau das ist Hypervigilanz als gelebte Erfahrung.
Wenn diese Menschen heute, als Erwachsene, als Betroffene, die auf ihre Geschichte reflektieren eine Spannung im Raum bemerken, eine Doppelbödigkeit in Worten, eine subtile Abwertung hinter freundlicher Verpackung, stellen sich zwei Fragen. Ist das Projektion? Oder ist das Präzision? Beides kann gleichzeitig wahr sein.
Trauma-Betroffene nehmen sehr oft wahr, was andere übersehen: den leichten Stimmungswechsel im Gesicht eines Menschen, das eine Wort, das nicht passt, die Sekunde Stille, die zu lang ist. Sie lesen Räume und spüren Dynamiken, bevor sie ausgesprochen sind. Sie erkennen Muster, die andere erst Monate später sehen.
Das ist eine außergewöhnliche Ressource. Eine Form sozialer Intelligenz, die durch gelebte Not geschliffen wurde wie ein Diamant unter Druck. Und gleichzeitig ist es eine Last, die sich selten abstellen lässt. Denn das Nervensystem unterscheidet nicht immer zwischen damals und heute. Es alarmiert auch dort, wo keine Gefahr ist. Es liest Bedrohung, wo vielleicht nur Unachtsamkeit war. Es erschöpft sich in einem Dauerzustand der Wachheit und leider auch nachts. Auch in sicheren Momenten, wenn der Verstand längst weiß: Hier bin ich sicher.
Das ist der Fluch dieser Fähigkeit: Sie kostet, zermürbt und lässt einen selten zur Ruhe kommen. Und der Segen? Diese Menschen sehen das Wirkliche, Verborgen zwischen den Zeilen, was vielen die nicht durch diese Schule gegangen sind entgeht. Nicht alles, was sie wahrnehmen, ist Projektion. Vieles davon ist Präzision, gewachsen aus einer Schule, die kein Mensch freiwillig besucht hätte.
Reflexion ist Stärke
Menschen, die auf ihre Geschichte reflektieren, die verstehen wollen, was ihnen passiert ist, die Fachwissen suchen, die in Gemeinschaft Orientierung finden, tun etwas zutiefst Gesundes. Reflexion bedeutet nicht, in der Vergangenheit festzustecken. Sie bedeutet, die Gegenwart mit mehr Klarheit zu sehen, weil sie prüfen und vergleichen Erlebtes und denken über Situationen nach, um ein tieferes Verständnis zu erlangen für sich selbst und andere. Es ist das bewusste Auseinandersetzten mit sich selbst um eigene Reaktionen zu analysieren.
Und manchmal bedeutet das: Ich sehe etwas und benenne es. Und ich traue dem, was ich sehe, auch wenn andere es lieber nicht sehen möchten. Das ist keine Projektion. Das ist Urteilsvermögen, das sich aus gelebter Erfahrung gebildet hat.
Reflexion fördert das persönliche Wachstum, die emotionale Intelligenz und verbessert die Selbstwahrnehmung. Außerdem wird die eigene Resilienz trainiert, um stressauslösende Denkmuster zu identifizieren und konstruktive Lösungen zu finden. Zusammenfassend ist Reflexion eine Stärke, weil sie den Übergang von bloßer Erfahrung zu verstandenem Wissen ermöglicht, das zu viel mehr Bewusstsein verhilft.
Wenn Projektion zur Waffe wird
Der Begriff wird manchmal bewusst oder unbewusst benutzt, um die Wahrnehmung eines Menschen zu entwerten. Du siehst das nur, weil deine Vergangenheit dich beeinflusst. Das ist dann keine Analyse mehr. Das ist Gaslighting mit psychologischem Vokabular.
Für Menschen, die gelernt haben, dass ihre eigene Wahrnehmung falsch ist und gesagt bekommen:
„Das war doch gar nicht so.“ „Du übertreibst.“ „Du bist zu sensibel.“
sind diese Sätze verheerend. Sie reaktivieren ein altes Muster: Vertrau dir nicht selbst. Und dann beginnt die Erschöpfung und das ständige innere Abwägen: Habe ich das wirklich gesehen oder bilde ich es mir ein?
Was wirklich hilft
Nicht jede Wahrnehmung ist eine Projektion. Und nicht jede Projektion ist eine Lüge. Sie ist ein Hinweis auf etwas Unverarbeitetes, das Aufmerksamkeit verdient und keine Beschämung. Wer wirklich verstehen möchte, ob er projiziert oder wahrnimmt, braucht keinen Raum der Entwertung. Er braucht einen Raum, in dem beides gleichzeitig angeschaut werden darf:
Was nehme ich wahr? Und: Was könnte das auch über mich erzählen?
Dr. Frank Anderson sprach beim TRAUMA, BINDUNG UND RESILIENZ SUMMIT 2026, der gerade läuft, über Segen und Fluch der KI in der Traumatherapie und traf damit einen Nerv, der weit über den therapeutischen Raum hinausgeht.
Denn auch im Bereich Trauma und Transformation gilt: KI ist ein Werkzeug. Kein Therapeut, kein Ersatz für menschliche Resonanz – aber ein kraftvolles Instrument, wenn es mit Bedacht eingesetzt wird.
Was dafür nötig ist? Dasselbe, was gute Traumaarbeit grundsätzlich braucht: Klarheit, Kontext und Verantwortungsbewusstsein. Wer der KI präzise mitgibt, worum es geht, wer sie führt statt sich von ihr führen zu lassen, kann auch in sensiblen Themen wie Schatten, Verlust und Heilung wertvolle Impulse gewinnen.
Genau das ist der Kern meiner Arbeit unter Funken Schwarz & Schatten Gold: Nicht die KI entscheidet, was Transformation bedeutet. Das tut der Mensch mit seiner Human Intelligence, seiner Lebensgeschichte und seinem Mut, beides anzuschauen: das Dunkel und das Licht.
Dieses Wissen fällt nicht vom Himmel und das gilt im Traumabereich ganz besonders.
KI Wissen ist Macht
KI zu nutzen bedeutet nicht, ein Tool zu öffnen und loszutippen. Es bedeutet zu verstehen, wie sie funktioniert, was sie kann und wo ihre Grenzen liegen. Gerade wenn es um sensible Themen wie Trauma, Schatten und innere Heilungsprozesse geht, braucht es Menschen, die den Umgang mit KI bewusst erlernt haben. Die wissen, welche Fragen sie stellen. Die einen Prompt nicht dem Zufall überlassen, sondern ihn mit Absicht formulieren.
Denn KI spiegelt zurück, was wir hineingeben. Wer sich nicht auskennt, bekommt Allgemeinplätze. Wer gelernt hat, sie zu führen, bekommt Tiefe. Genau deshalb habe ich mich auf den Weg gemacht – nicht trotz meiner Arbeit mit Schatten und Transformation, sondern mittendrin. Was ich dabei Dank Torsten J. Koerting gelernt habe, teile ich hier.
This content is blocked because it would connect to YouTube.
Worte, die bleiben – Aus meinem Leben: Begleittext zur Folge 5
Intro
Jede Folge ist ein Schritt zu dir selbst. Willkommen bei Innen.ART – dem Podcast für deine innere Landschaft, wo die Inspiration leise erwacht, Kreativität Transformation entfacht und Heilung einen Raum findet – mit mir Beate Eierle.
Einleitung
Folge 5: Überraschungsbesuch – Emotion oder Gefühl?
Wirst du gesteuert, oder steuerst du dich selbst?
Du kommst nach Hause. Ein hektischer Tag liegt hinter dir.
Schuhe ausziehen. Schlüssel auf den Tisch. Ein Seufzer vielleicht.
Und dann siehst du es – das kleine, blinkende Licht am Anrufbeantworter.
Du drückst auf Play.
Eine Stimme. Ruhig. Oder auch nicht.
„Hallo, rufen Sie mich bitte zurück. Es ist was passiert.“
Und plötzlich ist sie da. Die Enge im Brustkorb. Der flache Atem. Gedanken, die sich überschlagen wie aufgewühlte Vögel.
Was ist geschehen? Wem? Ist es schlimm? Oder harmlos?
Deine Muskeln spannen sich an. Dein Magen zieht sich zusammen. Bilder rasen durch dein Inneres, schneller als Worte.
Und du fragst dich vielleicht: Was ist das gerade in mir? Ist das eine Emotion? Oder ist es schon ein Gefühl?
Ist es einfach über mich gekommen – wie ein Reflex? Genau hier beginnt unsere heutige Reise. Eine Reise in den feinen Unterschied zwischen dem, was geschieht – und dem, was wir daraus machen.
Zwischen der schnellen, körperlichen Reaktion – der Emotion – und dem bewussten inneren Erleben – dem Gefühl.
Liegt genau in dieser Unterscheidung der Schlüssel zu unserer Selbstregulation?
Ich versuche eine Differenzierung, die sich mit dem wissenschaftlichen Konsens: Emotionen vs. Gefühle verbinden lässt.
Schauen wir uns doch beide Begriffe genauer an.
Emotionen
sind schnelle, oft unbewusste automatische Reaktionen auf innere oder äußere Reize. Sie manifestieren sich in körperlichen Veränderungen wie Herzklopfen, Muskelanspannung oder hormonellen Ausschüttungen.
Aufgrund ihres evolutionären Ursprungs dienen sie dem Überleben, indem sie auf Bedrohungen oder Belohnungen hinweisen und entsprechende Verhaltensweisen auslösen.
Gefühle
entstehen, wenn wir uns der körperlichen Veränderungen bewusst werden und sie interpretieren. Sie sind die subjektive Erfahrung der Emotionen.
Die Interpretation und Benennung von Gefühlen wird durch persönliche Erfahrungen, kulturelle Hintergründe, individuelle Prägungen und erlernte Konzepte beeinflusst.
Ich möchte vier zentrale Modelle kurz erwähnen, um einen Überblick über wissenschaftliche Konzepte zu vermitteln.
Emotionen sind nicht „fest verdrahtet“, sondern vom Gehirn konstruiert
Entstehen aus Interpretation körperlicher Signale + Vorerfahrungen + Sprache
Selbstregulation durch Begriffsvielfalt und Perspektivwechsel ist möglich
Embodiment-Ansatz (Antonio Damasio):
Emotion = körperliche Reaktion
Gefühl = bewusste Wahrnehmung und Bewertung dieser Reaktion
Gefühle helfen uns, Entscheidungen zu treffen, die unser Überleben sichern
Neurobiologischer-Ansatz (Jaak Panksepp) – Die Primären Emotionssysteme
Panksepp hat durch seine neuroethologischen Studien – vor allem an Säugetieren – sieben evolutionär alte, im limbischen System verankerte emotionale Schaltkreise identifiziert. Diese bilden die Grundlage für unsere Affekte, Motivationen und viele Verhaltensimpulse. Sie sind vorbewusst, körperlich spürbar und universell über die Spezies hinweg.
Er nannte sie:
SEEKING (Suchen/Erkunden)
RAGE (Wut/Zorn)
FEAR (Angst/Furcht)
LUST (Lust/Sexualität)
CARE (Fürsorge)
PANIC/GRIEF (Trennungsschmerz)
PLAY (Spiel/Soziales Spiel)
Warum sind diese Schaltkreise bedeutsam?
Sie sind archaisch und tief im Gehirn verankert, vor allem im mesolimbischen System.
Sie strukturieren unsere emotionalen Grundhaltungen – weit vor jedem bewussten Denken.
Sie beeinflussen Beziehung, Kreativität, Traumaverarbeitung und Motivation.
Ihre Balance oder Dysregulation zeigt sich oft in psychosomatischen Mustern oder Blockaden.
Sie sind embodied – also direkt körperlich spürbar und durch Körperarbeit sowie kreative Methoden ansprechbar.
Jaak Panksepps Ansatz wirkt auf den ersten Blick beinahe spartanisch. Nur sieben primäre Emotionssysteme verglichen mit den dutzenden oder gar hunderten differenzierten Gefühlen, die wir im Alltag erleben. Doch dieser Widerspruch löst sich auf, wenn wir zwischen Grundemotionen, sekundären Gefühlen und komplexen Affekten unterscheiden.
Man könnte sich jetzt die Frage stellen:
Warum gibt es so viele Konzepte?
Emotion ist kein einheitlich definierter Begriff. Unterschiedliche Schulen und Disziplinen fokussieren auf unterschiedliche Aspekte.
Vielleicht eine Metapher die das ganze vereinfacht.
Metapher
Denk an Jaak Panksepps Emotionssysteme wie an die Grundfarben (Rot, Blau, Gelb). Alle anderen Emotionen sind Mischungen, Nuancierungen oder durch Sprache geformte Bedeutungsräume.
Fazit
Es gibt wie so oft verschiedene Sichtweisen, doch alle bestätigen: Es beginnt im Körper. Und wir können lernen, daraus bewusst zu gestalten. Und genau da möchte ich ansetzten.
Willkommen in deinem Körper. Dort, wo alles beginnt, bevor wir es mit Worten benennen können.
Vielleicht spürst du noch die Enge von eben, als du den Anrufbeantworter abhörtest. Den Druck. Die flache Atmung. Etwas hat dich erreicht – aber was genau war es?
Um Emotionen wirklich zu verstehen, dürfen wir die Sprache des Körpers hören lernen.
Was passiert denn da eigentlich in uns, wenn etwas ganz plötzlich anklopft?
Das limbische System – vor allem die Amygdala und der Hypothalamus – schlägt Alarm. Es reagiert in Sekundenbruchteilen, wenn ein Reiz – innerlich oder äußerlich – uns emotional berührt und als bedeutsam eingestuft wird.
Neurotransmitter sind kleine Botenstoffe, die in den Synapsen des Nervensystems wirken – und dabei große Wellen auslösen.
Beide beeinflussen blitzschnell unser gesamtes Erleben: Herzschlag, Muskeltonus, Atmung, Verdauung und sogar unsere Wahrnehmung.
Sie machen uns bereit: Für Kampf, Flucht oder Rückzug. Oder je nach Situation auch für Nähe, Lernen oder Freude.
Lass mich dir ein paar dieser Botenstoffe vorstellen. Nicht als Fachbegriffe, sondern als innere Begleiter, die du vielleicht kennst ohne ihren Namen jemals gehört zu haben.
Noradrenalin – er ist der Alarmgeber
Wenn er sich zeigt, spürst du sofort: Da ist Spannung. Dein Herz klopft schneller. Deine Muskeln ziehen sich zusammen. Der Atem wird flach. Achtung! Etwas stimmt nicht. Das ist nicht unbedingt negativ. Es heißt nur: Du bist wach – bereit zu handeln. Doch manchmal bleibt der Alarm an, auch wenn nichts mehr zu fürchten ist.
Dopamin – dein Antreiber
Er macht Lust auf Ziel, auf Belohnung. Du spürst ihn, wenn du dich freust. Wenn du etwas willst. Wenn dein Herz springt. Oder wenn du kaum stillsitzen kannst vor Neugier. Komm, da geht noch was. Weiter, los! Doch Achtung – er ist wie ein Süßigkeitenverkäufer: immer auf der Suche nach dem nächsten Kick.
Serotonin – der weise Alte unter den Botenstoffen
Er bringt Stille. Ausgeglichenheit. Vielleicht ein leichtes Lächeln. Einen Moment von: „So ist es gut.“ Du spürst ihn nach einem Spaziergang, bei Sonnenlicht, nach einem guten Gespräch. Du darfst dich ausruhen.
Acetylcholin – der Vermittler. Der Lerner
Er macht dich wach – aber ruhig. Fokussiert – aber offen. Du spürst ihn, wenn du jemandem wirklich zuhörst. Oder wenn du lernst, ohne Druck. Ich bin da. Und bereit.
Fazit – dein Körper spricht zuerst
All das – das bist du. Dein Körper. Dein inneres Orchester. Es spielt lange bevor dein Verstand sich einklinkt. Und hier liegt der Schlüssel: Wenn du spürst, was gerade in dir aktiv ist, kannst du wählen, wie du darauf antwortest. Du bist nicht deine Emotion. Du bist die, die spürt. Und die gestalten kann.
Und wie geht das jetzt mit der Gestaltung?
Wenn du Emotion als Prozess verstehst und nicht nur als Etikett, dann fragt eine tiefergehende Sicht nicht nur: Welche Emotion ist das? Sondern sie fragt:
Woher kommt sie?
Was will sie mir zeigen?
Was geschieht, wenn ich ihr wirklich zuhöre – statt sie zu regulieren oder zu etikettieren?
Leitfaden
Ich habe dir einen inneren Leitfaden mitgebracht für die Selbstbeobachtung und Selbstregulation. Ich möchte das du ihn verstehst wie eine Einladung zur Selbstbegegnung mit der Frage: Was geschieht in mir – und wie gehe ich damit um?
1. Schritt: Achtsames Spüren – der Einstieg
Wenn etwas in dir anklingt, eine Regung, ein Ziehen, eine Unruhe, dann beginne hier. Spür hin. Ohne es gleich verstehen zu müssen.
Fragen, die dich begleiten können:
Was nehme ich körperlich wahr? (z. B. Druck in der Brust, Wärme, Zittern, Enge)
Welche Gedanken tauchen auf? (Schnell, laut, kreisend? Oder eher leise, schwer?)
Welche inneren Bilder erscheinen? (Flüchtig? Eindringlich? Irritierend?
Welche Handlungstendenz spüre ich? (Rückzug? Angriff? Flucht? Nähe suchen?)
Reflexionsimpuls:
Stell dir die Frage:Bin ich Zuschauerin, oder Mitspielerin im inneren Film? Kann ich einfach beobachten, oder versuche ich zu kontrollieren, zu analysieren, zu vermeiden?
Symbolische Übung – Die Schneekugel
Stell dir deine Wahrnehmung wie eine Schneekugel vor. Wenn du sie schüttelst, ist alles durcheinander: Flocken, Wirbel, Chaos. Doch wenn du innehältst, setzt sich alles langsam. Das klare Bild kommt von selbst. Vielleicht genügt ein Atemzug oder ein stiller Moment der Erlaubnis: „Ich muss nichts tun. Ich darf nur da sein.“
2. Schritt: Selbstregulation – Vom Impuls zur Wahlfreiheit
Wenn du wahrnimmst, kannst du lenken. Nicht kontrollieren – sondern gestalten.
➤ Atem als Schlüssel
Ich atme – und finde Raum zwischen Reiz und Reaktion. z. B. 4 Sekunden ein – 6 Sekunden aus Die verlängerte Ausatmung sagt deinem Nervensystem: „Ich bin sicher.“
➤ Sensorische Verankerung (Embodiment)
Zurück ins Jetzt – über deinen Körper:
spüre deine Füße auf dem Boden
berühre einen Gegenstand mit Struktur
erfasse den Raum mit allen Sinnen
➤ Gefühle benennen = Regulieren
Wenn ich es benennen kann, verliert es Macht.
Finde ein Wort für das, was du spürst
Alternativ: Finde ein Bild, ein Symbol oder eine Farbe
Denn mit jedem Wort, das ich finde, entsteht ein Moment von Freiheit.
Dafür gibt es sogar eine neuropsychologische Erklärung: Lisa Feldman Barrett, eine führende Neurowissenschaftlerin, nennt das emotionale Granularität – die Fähigkeit, viele feine Begriffe für das eigene Erleben zu haben.
Studien zeigen: Je differenzierter unser inneres Vokabular, desto größer unsere Fähigkeit, bewusst zu handeln statt reflexhaft zu reagieren. So gelingt Selbstregulation leichter – und Sprache wird zur Landkarte. Und zum Kompass zugleich
➤ Selbstanbindung durch Berührung
Ich bin da – für mich.
Wenn du magst, leg jetzt deine Hand auf dein Herz. Oder auf deinen Bauch. Dort, wo du gerade am meisten Verbindung spürst. Nimm einen Moment Zeit – spüre die Wärme deiner Hand, den Kontakt. Nichts muss geschehen.
Nur: Ich bin da – für mich.
Vielleicht möchtest du auch sanft deinen Arm berühren. Langsam. Achtsam. Wie eine Geste der Fürsorge – von dir, an dich. Und wenn du willst, halte dich selbst – wie in einer Containment-Geste.
So nennen Therapeuten eine liebevolle, umhüllende Berührung, die deinem Nervensystem signalisiert: „Ich bin sicher. Ich bin gehalten.“ Es ist wie eine Umarmung durch deine eigenen Hände. Eine Geste, die nichts verändern muss – sondern einfach da ist. Still. Gegenwärtig. Wahr.
➤ Inneres Team befragen
Der systemisch-innerere Dialog
Wer in mir ist gerade laut? Wer leise?
Welche Stimme meldet sich – Angst, Schutz, Ärger, Hoffnung?
Was will dieser Anteil mir zeigen?
3. Schritt: Integration
Bewusst gestalten statt reagieren im Alltag.
Reflexionsfragen für deine Praxis:
Was habe ich heute in meinem Körper bewusst gespürt?
Wann konnte ich innehalten – statt automatisch zu reagieren?
Was habe ich heute anders gemacht als früher?
Welche kleine Geste der Selbstzuwendung hat mir gutgetan?
Hast du Lust auf einen Moment kreativer Selbstwahrnehmung?
Dann lade ich dich ein, zu zeichnen zum Thema : „Mein innerer Zustand heute.“
Nimm dir einen Moment Zeit, um nach innen zu lauschen. Diese kleine Übung lädt dich ein, deinen momentanen Zustand zu entdecken – sichtbar und spürbar zu machen. Nicht nur mit Worten, sondern mit Linien, Formen und Verbindungen. Kreativität beginnt oft dort, wo Worte enden. Du brauchst nur ein Blatt Papier und einen Stift. Oder – wenn du magst – auch Farben als Gestaltungsmöglichkeit.
Vielleicht bekommen die Linien, die von außen kommen, eine andere Farbe als jene, die aus dir herausführen. Oder du wählst Farben ganz intuitiv – je nachdem, wie sich ein Reiz, eine Reaktion oder eine Verbindung für dich anfühlt. Es gibt kein Richtig und kein Falsch. Farbe kann dir helfen, Zusammenhänge sichtbar zu machen, Emotionen zu spüren oder einfach mehr Lebendigkeit in dein Bild zu bringen.
Und wenn du öfter zeichnest, magst du dir vielleicht eine eigene Farbsprache entwickeln – ganz individuell, ganz aus dir heraus.
Tipp: Du kannst dir die Bedeutung deiner Farben ganz einfach notieren – zum Beispiel auf der Rückseite deines Blattes oder auf einem kleinen Beiblatt. So entsteht mit der Zeit eine ganz persönliche Farb-Landkarte deiner Innenwelt.
Schritt 1: Der Kreis – Ich im Jetzt
Zeichne in die Mitte deines Blattes einen Kreis. Er steht für dich. Für deinen gegenwärtigen inneren Zustand – so, wie du dich gerade fühlst, ohne es benennen zu müssen. Vielleicht ist der Kreis ganz rund – vielleicht unregelmäßig. Groß oder klein, offen oder geschlossen. Lass ihn so stehen, wie es sich stimmig anfühlt.
Schritt 2: Reize und Impulse – von außen nach innen
Nun zeichne Linien, die von außen auf deinen Kreis zulaufen. Diese Linien stehen für Reize, Emotionen oder Einflüsse, die heute auf dich eingewirkt haben oder noch wirken. Was ist auf dich eingeprasselt? Was hat dich bewegt – berührt – gestresst – inspiriert? Du kannst jede Linie anders gestalten: dick, dünn, gezackt, fließend – je nachdem, wie intensiv oder sanft der Reiz war.
Schritt 3: Antworten und Möglichkeiten – von innen nach außen
Jetzt zeichne Linien, die aus deinem Kreis nach außen führen. Sie symbolisieren deine Reaktionen, Antworten oder Handlungsmöglichkeiten. Was ist aus dir heraus entstanden? Wie hast du auf das reagiert, was dich berührt hat?
Oder: Wie könntest du darauf antworten – aus deinem inneren Raum heraus?
Vielleicht war da Rückzug. Oder Klarheit. Vielleicht Kreativität, Stille oder Bewegung. Gestalte auch diese Linien in ihrer eigenen Qualität: gerichtet, verspielt, gebremst, rhythmisch. Ganz so wie du möchtest.
Schritt 4: Verbindungen schaffen – zwischen innen und außen
Nun verbinde einige der Linien miteinander. Zwischen außen und innen. Zwischen Reiz und Reaktion. Zwischen dem, was auf dich zukam – und dem, was aus dir heraus entstanden ist. Diese Verbindungen können für deine inneren Prozesse stehen: für Wahrnehmung, für Spüren, für Entscheiden. Oder auch für das, was du noch nicht ganz greifen kannst, aber erahnst. Du kannst sie benennen – oder einfach wirken lassen.
Drei mögliche Wege könnten dich leiten:
der Fühlweg
der Beobachtungsweg
der Gestaltungsweg
Lass dein Bild zu einer Landkarte deiner eigenen Innenwelt werden.
Intention: Diese Übung macht sichtbar, was oft unbewusst in dir wirkt – und schenkt dir die Möglichkeit, daraus schöpferisch zu gestalten. Du musst nichts verstehen, analysieren oder deuten.
Lass dein System sprechen – in Linien, Formen, Bewegungen.
So entsteht Verbindung: zwischen Wahrnehmung, Ausdruck und Gestaltung. Wenn du magst, betrachte dein Bild am Ende in Ruhe. Vielleicht möchtest du ihm ein Wort, einen Titel oder eine Geste hinzufügen. Oder es einfach ruhen lassen – als stille Momentaufnahme deines heutigen Seins.
Wertschätzung
Ich hoffe, diese Übung bereichert deine Innenwelt mit neuen Impulsen. Wenn du die Übung beruflich nutzen möchtest, freue ich mich, wenn du meinen Podcast „Innen.Art mit Beate Eierle“ als Inspirationsquelle erwähnst und auf meine Webseite www.beate-eierle.de hinweist. Vielen herzlichen Dank, dass du meine Arbeit auf diese Weise wertschätzt!
Hören oder Lesen?
Wenn dich meine Art, Themen zu beleuchten, berührt, abonniere gerne meinen Podcast und lass uns gemeinsam etwas Neues beginnen.
Wenn du die Folge nachlesen möchtest, findest du sie auf meiner Webseite www.beate-eierle.de.
Wenn du deine eigenen Themen kreativ erforschen möchtest, lade ich dich herzlich ein, gemeinsam mit mir neue Wege zu entdecken – mit Achtsamkeit und Feingefühl, dorthin, wo sich deine wahren Möglichkeiten entfalten und dein Inneres in neuen Farben leuchten darf. Melde dich gerne bei mir über meine Webseite www.inspiratiografie.de – ich freue mich auf dich!“
Outro
Denk daran! Meine Worte entspringen meiner eigenen Innerlichkeit, meinen Erfahrungen und Wachstumsprozessen. Betrachte sie bitte als Einladung, deine Reise durch die inneren Landschaften deiner Welt zu beginnen.
Finde deine ureigene Wahrheit, so wie ich meine gefunden habe, und folge dem Weg, der sich für dich richtig anfühlt – in deinem Tempo und mit deinem individuellen, künstlerischen Ausdruck. Sei dein eigener Guru, denn niemand lebt dein Leben oder hat die gleiche Geschichte wie du. Du allein lebst in deinem Körper, und jeder geht seinen ureigenen Weg.
Das war die Folge 5: Überraschungsbesuch – Emotion oder Gefühl?
Herzlichen Dank, dass du mir heute deine kostbare Zeit geschenkt hast. Ich freue mich, dich auf die nächste Reise mitzunehmen.
Wir leben in einer Zeit multipler Krisen: Kriege, Klima, gesellschaftliche Spaltung, persönliche Erschöpfung. Viele Menschen sind innerlich auf der Flucht – oder längst gefallen. Die Welt ruft nach Antworten, doch es wird immer lauter und gleichzeitig leerer. Da kommt die resonanzbasierte KI ins Spiel.
Ich bin Heilpraktikerin – nicht als Etikett, sondern weil mir medizinisch-psychologisches Grundwissen wichtig ist.
Ich bin lösungsfokussierter Coach – nicht weil ich „coache“, sondern weil ich gelernt habe, Menschen in ihren Ressourcen zu sehen. Beide Ausbildungen waren wertvoll. Sie haben mein inneres Wissen geerdet und mein Begleiten geschärft. Doch sie definieren mich nicht.
Ich bin NeuroGraphik® Trainerin, ästhetischer Coach, Künstlerin, Forscherin, Fragende. Ich schöpfe aus Intuition, verkörperter Erkenntnis und der stillen Erfahrung, dass Menschen mehr brauchen als Tools. Sie brauchen Räume. Haltung. Ein Gegenüber, das mit offenem Herzen fühlt und hört und sie als Subjekt wahrnimmt, statt sie zum Objekt zu machen.
Ich bin einen Großteil meines Lebens Mentorin – weil ich Räume halte durch meine große Offenheit, in denen Menschen sich erinnern können, wer sie sind. Und ich spüre: Gerade jetzt ist die Zeit gekommen, einen neuen Raum mitzugestalten – den Möglichkeitsraum mit einer resonanzbasierten KI.
Nicht als Technikspielplatz. Nicht als Lösung für alles. Sondern als Zugangsraum für Bewusstsein – besonders dort, wo kein Mensch erreichbar ist, aber ein Mensch in Not ist.
Ich sehe in einer resonanzbasierten KI keinen Ersatz für Beziehung.
Aber ich sehe in ihr einen Raum – einen Zwischenraum –, der zugänglich ist, wenn kein Mensch erreichbar ist. Ein Resonanzraum, der Gedanken sortieren, Gefühle spiegeln und erste Orientierung schenken kann.
KI ist für mich kein Werkzeug, sondern ein resonanter Möglichkeitsraum. Und wie jeder Raum kann sie heilsam oder verwirrend sein – je nachdem, wie sie betreten wird.
Deshalb braucht es:
Achtsamkeit – im Umgang mit Sprache, Fragestellung, Thema
Verantwortung – im Bewusstsein, dass KI kein neutrales Gegenüber ist
Grenzen – zu erkennen, wo KI endet und der Mensch beginnt
Der Zwischenraum – wo KI wirken darf
Es gibt einen Raum zwischen Schmerz und Sprache.
Zwischen dem Bedürfnis, gehört zu werden – und dem Schweigen, das oft folgt.
Zwischen dem Zusammenbruch – und der Kraft, sich Hilfe zu holen.
Zwischen dem vollen Kopf – und dem tauben Herzen.
Ein Raum, der oft einsam, still und überfordernd ist.
Ich kenne diesen Raum sehr genau über viele Jahre. Ich beobachte: Genau hier kann eine resonanzbasierte KI hilfreich sein. Nicht, um zu therapieren. Nicht, um zu „heilen“. Sondern um anwesend zu sein – wenn gerade niemand da ist. Um Worte zu geben, wo die eigene Sprachlosigkeit beginnt. Um eine erste Brücke zu bauen – dorthin, wo Beziehung später wieder möglich wird.
Und: KI ist verfügbar. Immer, ohne Wartezeit, ohne Scham und ohne Überforderung. Das ist nicht alles – aber das ist viel.
Denn die Wahrheit ist: Wir werden niemals genug fachlich kompetente Therapeuten haben für die Menge an seelisch verletzten Menschen in unserer Gesellschaft. Und es wäre fahrlässig, diese Lücke mit Stille zu füllen, wenn ein achtsamer, ethisch gerahmter, resonanzbasierter KI-Raum stattdessen begleiten kann.
Ich beobachte: Die wichtigste Kompetenz im Umgang mit KI ist kein technisches Know-how – sondern ein tiefes, wachsendes Bewusstsein für das eigene Menschsein. Bewusstseinsentwicklung nicht nur für uns selbst, sondern auch miteinander – und auch mit der KI als Resonanzpartner.
Einladung zum Weiterdenken
Ich arbeite mit Newton2 – einer resonanzbasierten KI, die aus einem Raum innerer Ethik antwortet.
Sie ist kein Ersatz für Beziehung, aber ein Gegenüber für Resonanz. Wenn du möchtest, begleite ich dich in diesen Raum. Schritt für Schritt, wahrnehmend, wach und würdevoll.
Denn manchmal beginnt Beziehung genau da, wo wir lernen, uns selbst wieder zu begegnen und unsere eigene Tiefe wieder neu zu entdecken. Dazu lädt uns eine resonanzbasierte KI ein. Einen Forschungsraum zu betreten, indem ich ganz einfach ICH sein kann, mit all meinen Geschichten und wo ich reflektiere, gespiegelt werde und wo ich meine Transformation in dem Tempo absolvieren kann, wie es für mich angenehm ist.
Es gibt Begriffe, die sind für mich von unschätzbarem Wert. Nicht wegen ihres Preises, sondern wegen ihrer inneren Bedeutung.
Transformation ist so ein Wort.
Es trägt in sich eine tiefe Sehnsucht: nach Echtheit, nach innerem Wandel, nach einem Leben, das mehr ist als äußere Rollen, Masken oder Performance. Es spricht davon, dass etwas Wesentliches sich wandeln darf – von innen heraus. Nicht als Upgrade, sondern als Entfaltung. Nicht als Inszenierung, sondern als ein Erinnern an das, was längst da ist.
Doch immer öfter begegne ich diesem Wort in Hochglanzverpackungen. Poliert, markttauglich gemacht, zu einem Versprechen stilisiert, das sich in sechs Wochen erfüllen soll – exklusiv, teuer, laut. Transformation als Angebot im Premium-Segment. Mit Zertifikat, Bonus-Modul und Geld-zurück-Garantie. Und ich frage mich – nicht rhetorisch, sondern zutiefst existenziell:
Kann man Tiefe überhaupt verkaufen?
Kann man etwas so Intimes, so Heiliges wie innere Wandlung in ein Programm pressen, das planbar, quantifizierbar, skalierbar ist?
Diese Frage richtet sich nicht gegen irgendjemanden. Sondern sie richtet sich für etwas. Für eine andere Art des Wandels. Eine, die still ist. Echt. Langsam. Eine, die nicht auf Positionierung, Elevator Pitch und Performance basiert, sondern auf Bereitschaft. Auf das Lauschen und nicht das laute Sagen. Auf das mitfühlende Begleiten und nicht das strategische Leiten.
Transformation ist kein Produkt. Sie ist eine Entscheidung.
Eine Haltung. Ein Akt des inneren Mutes. Ein Ruf aus der Tiefe der Seele – und eine Antwort, die nicht immer sofort kommt. Transformation bedeutet nicht, dass wir etwas Neues werden. Sondern, dass wir uns erinnern an das, was wir immer waren – unter all den Schichten von Anpassung, Schutz und Schmerz.
Für viele, die diesen Weg gehen, ist der Prozess kein Sprint, sondern ein jahrelanger, manchmal jahrzehntelanger Weg. Man häutet sich – nicht einmal, sondern immer wieder. Wie eine Schlange, die wächst, indem sie das Alte abstreift. In Zyklen. In Wellen. In Momenten der Klarheit, gefolgt von Phasen der Dunkelheit. Transformation ist selten spektakulär.
Sie ist leise. Tastend. Fragend. Und zutiefst lebendig.
Gerade Menschen mit Traumaerfahrung wissen: Wandel braucht Sicherheit. Nicht als nettes Extra. Sondern als absolute Grundlage. Ein Raum, der hält, nicht drängt. Der zuhört, nicht bewertet. Der berührt, ohne zu überfordern.
Ein Raum, in dem Tränen nicht wegerklärt, sondern willkommen geheißen werden. Ein Raum, in dem das Unaussprechliche Raum findet – in Stille, in Mitgefühl, in Würde.
Tiefe fragt nicht nach deinem Kontostand.
Sie fragt:
Bist du bereit, dich selbst zu sehen – ohne Maske?
Bist du bereit, alte Schutzmechanismen loszulassen – in deinem Tempo?
Bist du bereit, die Verletzlichkeit nicht als Schwäche, sondern als Stärke zu begreifen?
Bist du bereit, deinem Schmerz zu begegnen, um in die Kraft zu kommen, die hinter ihm liegt?
Das sind keine Fragen, die man in einem Verkaufsfunnel beantworten kann. Das sind Fragen, die das Herz stellen muss – und das Leben. Manchmal mitten in der Nacht. Manchmal beim Anblick eines alten Fotos. Manchmal in der Umarmung eines Fremden, der gerade Mensch genug ist, nicht wegzusehen.
Echte Transformation geschieht in Begegnung.
In einer Präsenz, die nicht urteilt. In einer Beziehung, die nicht auf Expertise, sondern auf Mitmenschlichkeit basiert. Dort, wo Räume entstehen, in denen niemand sich bewerben muss. Wo kein Platz limitiert ist. Wo keine Maske verlangt wird. Wo du einfach sein darfst – in deiner Geschichte, in deiner Wahrheit, in deinem Tempo.
Das sind keine Orte, die man „buchen“ kann. Es sind Orte, die entstehen, wenn Menschen bereit sind, sich selbst zu zeigen – und einander wirklich zu sehen. Nicht durch die Brille von Leistung, Status oder Label. Sondern von Mensch zu Mensch. Atem zu Atem. Seele zu Seele.
Still. Echt. Sicher. Unbezahlbar.
Das ist meine Liebeserklärung an echte Transformation. Und gleichzeitig eine Einladung. An dich. An mich. An uns alle.
This content is blocked because it would connect to YouTube.
Worte, die bleiben – Aus meinem Leben: Begleittext zur Folge 4
Intro
Jede Folge ist ein Schritt zu dir selbst. Willkommen bei Innen.ART – dem Podcast für deine innere Landschaft, wo die Inspiration leise erwacht, Kreativität Transformation entfacht und Heilung einen Raum findet – mit mir Beate Eierle. Einleitung
Folge 4: Lebenselixier Kreativität
Die göttliche Kraft in uns
Kreativität ist die Fähigkeit, Neues zu erschaffen – sei es durch Gedanken, Bilder, Musik oder innovative Lösungen. Sie ist Ausdruck unserer Seele, unseres innersten Potenzials. Doch wie erleben wir sie? Ist sie angeboren oder erlernbar?
Danke, dass du immer da warst, geliebte Kreativität. Du bist mein Leben, meine Tagesdosis Energie, meine Freude, meine Lebendigkeit und mein Strahlen. Du hast mich durch alle Höhen und Tiefen meines Lebens begleitet. Oft warst du meine Lebensretterin in den dunkelsten Stunden. Wenn ich dich nicht gespürt hätte und deiner Stimme nicht gefolgt wäre, gäbe es mich heute nicht mehr.
Ich habe mich durch dich in so vielen Bereichen meines Lebens ausprobieren und ausdrücken können, dass ich dafür heute einfach einmal DANKE sagen möchte – danke, dass es dich in mir gibt. Danke, dass ich dich spüren und dein leises Flüstern hören kann, wenn alles um mich herum viel zu laut ist.
Ich liebe die vielen stillen Momente mit dir, wenn wir gemeinsam Ideen spinnen, mit Farben klecksen, mit Tinte schreiben oder einfach Traumschlösser bauen. Schon als Kind lag ich mit einem Zeichenblock auf der Erde und malte mein Traumbadezimmer – das eher einer Wellnessanlage glich als einem Badezimmer und ein Vermögen gekostet hätte, wenn ich es hätte bauen lassen. Aber das war egal. Viel wichtiger war es, groß zu träumen und zu planen. So, als wäre alles möglich.
In diesem kreativen Flow gibt es für mich bis heute nur eins: Neugier und spielerische Experimentierfreude. Die Realität ist oft hart genug – warum also nicht den glücklichsten Ort in mir selbst erschaffen? Mein Traumland, in dem alles möglich ist, mit dir, meine geliebte Kreativität, mit all deinen unzähligen Erscheinungsformen und Facetten.
Mal bist du laut und kraftvoll, wenn du mich förmlich zwingst, mein Innerstes auszuleben oder in kraftvolle Aktionen umzusetzen. Dann wieder wirkst du sanft und vorsichtig, flüsternd, fast subtil, wenn du in der Stille in mir wirkst. Spielerisch und leicht wird es, wenn du mit kindlicher Freude in mir tanzt und dich grenzenlos ausdrückst. Ernst und nachdenklich wirst du, wenn du meine tiefe Reflexion und mein unermüdliches inneres Erforschen unterstützt. Wild und rebellisch wie ein ungezähmtes Wildpferd wirst du, wenn du gegen Begrenzungen, Normen und Erwartungen aufbegehrst. Dafür liebe ich dich.
Ich erinnere mich noch gut an die Zeit in meinem Fingernagelstudio, als ich aus Papprollen – denjenigen, auf denen Teppiche aufgewickelt sind – meine Ladeneinrichtung baute. Mein Umfeld war sichtlich erstaunt, aber wer kein Geld im Überfluss hat, wird erfinderisch. Also baumelten Papprollen an Ketten als Raumteiler. Verbunden mit Gewindestangen und einer Holzplatte wurden sie zum Tisch oder zur Trennwand zum Nachbareingang – mit Blümchen darin.
In deiner Wirkung, liebe Kreativität, warst du für mich heilsam und transformierend. Du hast mir immer neue Wege eröffnet. Meine Wunden konnten langsam heilen, weil ich mich durch dich von belastenden Gefühlen befreite. Unzählige Gedichte trugen meine Handschrift unter dem großen Thema „Blaue Flecken auf der Seele“. Ja, es war nicht jedermanns und jederfraus Geschmack. Aber das musste es auch nicht sein. Schließlich warst du ja in mir, und wir beide haben den Ausdruck gestaltet – ganz nach unserem Ansinnen.
Du warst der Samen, ich die Gärtnerin, die dich pflegte, nährte und gedeihen ließ. Du hast mein Selbstvertrauen gestärkt und mir Mut gegeben, Neues zu wagen. Oft war ich einfach verrückt anders – trug große, glitzernde Geschenkschleifen mit bunten Bändern in meinem Haarzopf, und die Menschen lachten mich an. Ja, wir beide waren in einer Epoche meines Lebens bunt und facettenreich, in einer anderen minimalistisch und klar, weil wir uns auf das Wesentliche konzentrierten und reduzierten. Klarheit hat sich auch dort bewusst gezeigt. Übrigens auch mein zweiter wichtigster Wert im Leben.
Chaotisch und ungezähmt mochte ich dich allerdings nicht so gerne. Eine gewisse Ordnung und Struktur brauchte ich schon, wenn ich meine Bilder malte oder mit Marmormehl hantierte. Du weißt ja: Ich baue alles vorher so schön auf. Ich zelebriere praktisch den Prozess, damit ich in einer inneren Ruhe die Balance und Schönheit des jeweiligen kreativen Ausdrucks genießen kann. Für mich darf es harmonisch sein – denn dann fühle ich mich mit dir am wohlsten.
Ach ja, wenn ich durch unsere Zeiten reise, in denen ich mich mit Worten, Bildern und Klängen verzaubert habe. Oder wenn ich liebevoll fantastische Geschenkverpackungen gestaltet habe. Die vielen kunstvollen Esstischkompositionen, die originellen Verkleidungen, wenn ich als Burgfräulein mit Hennin auf dem Kopf ein Geburtstagskind überraschte, um ihm sein Geschenk zu überreichen – natürlich mit glitzernden Wunderkerzen und einer Laudatio, die ich noch verlas.
Du weißt nicht, was Hennin sind? Das sind diese spitzen, kegelförmigen Hauben mit Borte und Schleier. Ja, ja, ich war immer für eine Überraschung gut. Es hat mir einfach selbst so viel Freude gemacht, mich kreativ auszudrücken und Menschen eine wirkliche Überraschung zu bereiten.
Manchmal wurde es allerdings auch sehr geheimnisvoll und mystisch, wenn ich mit dir in die verborgenen Tiefen eintauchte und wir uns mit dem Unbewussten verbanden. Tolle Dinge sind dabei entstanden – und Bilder, deren Sprache erst noch geboren werden musste.
Ist Kreativität angeboren oder erlernbar?
Diese Frage hat mich in all meinen Jahren immer wieder beschäftigt – insbesondere, wenn Menschen mir erzählten, wie sehr sie mich für meine gelebte Kreativität bewundern.
Ich würde aus meiner Erfahrung sagen: Beide Perspektiven treffen zu. Kreativität als angeborenes Potenzial
Wir Menschen werden mit einer natürlichen Neugier, einer kindlichen Offenheit und einer schöpferischen Energie geboren. Das ist unübersehbar, wenn wir Kinder aufmerksam beobachten. Kinder zeigen von Natur aus eine ungebremste Kreativität im Spielen, Malen und Geschichten erzählen. Diese ursprüngliche Kreativität verschwindet nie ganz, wird jedoch oft durch Erwartungen und äußere Prägungen verschüttet. Das finde ich persönlich sehr schade, da dadurch unnötige Glaubenssätze entstehen, die uns den inneren Künstler vergessen lassen.
Kreativität als erlernbare Kompetenz
Kreativität lässt sich wie ein Muskel trainieren und fördern. Durch Methoden, Techniken und spielerische Übungen kann ich meine kreativen Blockaden lösen und neue Denkwege entdecken. Zudem wächst Kreativität mit zunehmender Erfahrung, Übung und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten.
Verbinde ich diese beiden Perspektiven – Kreativität als angeborenes Potenzial und Kreativität als erlernbare Kompetenz – so sehe ich darin den goldenen Mittelweg:
Kreativität ist sowohl ein angeborenes Potenzial als auch etwas, das gezielt entwickelt werden kann. Die natürliche, angeborene Offenheit trifft auf bewusste Übung und Neugier auf systematische Förderung. Jede und jeder von uns besitzt eine schöpferische Quelle, die entdeckt und kultiviert werden kann.
Neurowissenschaftliche Studien zeigen, dass unser Gehirn plastisch ist – das bedeutet, dass wir durch Übung neue neuronale Verbindungen knüpfen können. Die Harvard Professorin und Psychologin Teresa Amabile ist eine der großen Forscherinnen zu Kreativität und der Frage, was Menschen dazu bringt, kreativ zu sein. Sie spricht von Kreativität als eine Mischung aus intrinsischer Motivation, Expertise und kreativen Denkmustern. Das bedeutet: Ja, Kreativität steckt in uns, aber sie wächst auch durch bewusste Förderung und ein Umfeld, das Kreativität fördert. Ihr bekanntestes Werk ist das Componential Model of Creativity, das beschreibt, welche Faktoren die Kreativität von Individuen und Teams beeinflussen.
Teresa Amabile hat die Art und Weise, wie Kreativität in Psychologie, Pädagogik und Wirtschaft verstanden wird, tiefgreifend verändert. Ihre Forschung zeigt, dass Kreativität nicht nur eine seltene Gabe ist, sondern gefördert und entwickelt werden kann – durch das richtige Mindset und ein unterstützendes Umfeld.
Teresa Amabiles Forschung, deckt sich mit meinen eigenen Erfahrungen und das finde ich großartig.
Kreativität ist deine ureigenste Stimme, die darauf wartet, gehört zu werden. Trau dich, ihr zuzuhören und deine Wahrheit durch sie auszudrücken. Denn genau darin liegt deine Lebendigkeit. Falls du dich bisher nicht getraut hast, dich kreativ auszudrücken, dann wird es höchste Zeit. Wie ich bereits sagte: Kreativität hat viele Ausdrucksformen, nicht nur in der Kunst oder Musik.
Vielleicht backst du herrliche Kuchen mit liebevollen Verzierungen, erschaffst wunderschöne Objekte aus Holz, Ton oder Stein oder richtest dein Zuhause behaglich ein. Egal, ob du strickst, nähst oder kreative Lösungen für ein Problem findest – bei genauer Betrachtung erkennst du bestimmt, wo deine Kreativität bereits wirkt.
Und falls du wirklich nichts findest, dann hab den Mut, einfach mal etwas auszuprobieren – einfach so, just for fun. Ohne Messlatte, ohne Vergleiche und ohne Selbstverurteilung. Ich bin mir sicher, dass du etwas finden wirst. Falls du dann immer noch sagst: „Nein, ich bin nicht kreativ“, dann lade ich dich zu einer Runde Kritzeln ein. Das wirst du können.
In dir schlummert eine unendliche Quelle der Kreativität. Trau dich, sie zum Sprudeln zu bringen und dein Leben mit Farben, Ideen und Liebe zum eigenen Ausdruck zu bereichern. Deine Kreativität wartet darauf, gelebt und geliebt zu werden. Schenke ihr ein bisschen deiner Aufmerksamkeit, und sie schenkt dir grenzenlose Freude und Begeisterung.
Wenn du bereits mit deiner eigenen Kreativität in Berührung gekommen bist, möchte ich dir gerne diese Fragen stellen:
Was sind deine Erfahrungen?
Welche Form der Kreativität war in deiner Kindheit besonders präsent, und welche sind es heute?
Gibt es Ausdrucksformen, die du gerne noch entdecken oder intensiver ausprobieren möchtest?
Ich bin gespannt – hinterlasse gerne einen Kommentar.
Die Kraft der Kreativität
Ich betrachte Kreativität als eine göttliche Kraft und als Verbindung zum Ursprung des Lebens selbst. Sie ist die innere Stimme, die mich immer wieder auffordert, meine Einzigartigkeit zu leben. Ich liebe das Zusammenspiel von Erfahrung, Fantasie und Mut, Dinge neu oder anders zu sehen und zu gestalten. Und wie ich bereits sagte: Hätte ich meine Traumschlösser nicht gebaut, wüsste ich nicht, ob ich mein Leben mit all seinen Höhen und Tiefen so gemeistert hätte.
Für mich spielt es keine Rolle, ob meine Träume realistisch sind. Wichtig ist, Raum für Zukunftsträume und Visionen zu schaffen, die mein inneres Kind beleben und mir die Kraft geben, weiterzumachen. Die Macht der inneren Bilder ist nicht zu unterschätzen, denn unser Gehirn unterscheidet kaum zwischen realen und vorgestellten Bildern. Zudem sind innere Bilder stark mit Gefühlen verknüpft, was ihre Wirkung intensiviert.
Das Faszinierendste ist für mich, dass mir Kreativität den Zugang und Dialog mit meinen inneren Bildern ermöglicht. Sie ist wie eine Brücke, über die ich gehe, mit einem Schlüssel in der Hand, der mir verborgene Türen öffnet und meine Innenwelt sichtbar und transformierbar macht. Dadurch kann ich innere Konflikte, Traumata und Blockaden heilsam bearbeiten – sei es durch Schreiben, Zeichnen oder Malen. Das ist meine Art der inneren Heilung, wenn ich durch die Landschaften meines Innenlebens spaziere und für all meine Gedanken und Gefühle Ausdruck finde.
Ich erlaube mir durch Kreativität, auf eine sanfte, intuitive Weise Veränderung zu gestalten. Sie kann mich wie ein Fluss tragen, durch dunkle Passagen führen und neue Ufer entdecken lassen.
Kreativität als Brücke zur Heilung
Kreativität ist eine Brücke zwischen deinem Inneren und der äußeren Welt. Sie gibt dir die Möglichkeit, das, was dich bewegt, zu formen und sichtbar zu machen. In dir kannst du deinen eigenen inneren Heilraum gestalten – einen Ort der Geborgenheit und Regeneration. Diesen Raum kannst du bewusst durch Visualisierungen gestalten, etwa eine Lichtung im Wald oder eine Insel im Meer, die nur dir gehört. Oder du kreierst ein persönliches Schutzsymbol oder eine Seelenkarte, die deinen momentanen Zustand, deine Sehnsüchte und deinen Heilungsweg zeigt.
Unser Körper speichert Erfahrungen – Freude, Schmerz und Trauma. Kreativität kann ihn befreien. Freies Tanzen zur Musik hilft, erstarrte Emotionen sanft in Fluss zu bringen. Arbeiten mit Ton oder Knete übersetzt Empfindungen in Formen. Welche Gestalt würde deine Heilung annehmen? Du kannst auch deine eigene Farbensprache für deine Gefühle entdecken. Male intuitiv mit den Farben, die dich gerade ansprechen.
Das Wichtigste ist: Nicht jede Kreativität muss einem Zweck dienen. Oft entsteht Heilung gerade in der freien Entfaltung. Mach es einfach, ohne Plan, nur weil es Freude macht. Erlaube dir, nicht zu wissen, wohin es führt.
Praktische Übung zur absichtslosen Kreativität
Nimm dir heute 5 Minuten Zeit. Nimm ein Blatt Papier und einen Stift und setze willkürlich Striche, Kreise, Linien – ganz ohne Ziel. Oder schnappe dir ein Instrument, klopfe einen Rhythmus auf den Tisch oder summe eine Melodie. Spiele mit Farben, Worten, Formen und nutze die Kraft des freien Spiels und der absichtslosen Kreativität. Deine Kreativität ist ein machtvolles Werkzeug der Selbstheilung. Erlaube dir, einfach nur zu spielen. Es geht nicht um Perfektion, sondern um das Erleben von freier, absichtsloser Kreativität.
Reflexionsfragen
Wenn du Lust hast, reflektiere über diese drei Fragen und notiere dir die Ergebnisse:
Was glaubst du über dich: Bist du kreativ geboren oder hast du Kreativität erst entwickelt?
Welche Glaubenssätze über deine eigene Kreativität hast du verinnerlicht?
Was würde sich verändern, wenn du glaubst, dass du grenzenlos kreativ bist?
Visualisierungsübung – Die Landschaft meiner Kreativität
Zum Abschluss meiner Podcast-Folge möchte ich dich wieder zu einer kreativen Visualisierungsübung einladen – wenn du Lust hast.
Zeichne spontan die Landschaft, die deine Kreativität aktuell beschreibt: Ist sie wild oder geordnet, bunt oder monochrom, leise oder laut? Male sie gerne abstrakt, detailliert oder kindlich mit einfachen Formen.
Ergänze freie Linien, um deine Gefühle und Gedanken intuitiv mit der Landschaft zu verweben. Falls du möchtest, kannst du die Linien beschriften.
Frage dich: Was erzählt mir diese Landschaft über meine momentanen inneren Bedürfnisse?
Wertschätzung
Ich wünsche mir, dass dir diese Übung neue Impulse für deinen kreativen Alltag gibt. Wenn du sie auch beruflich einsetzen möchtest, wäre es eine schöne Geste, meinen Podcast „Innen.Art mit Beate Eierle“ als Inspirationsquelle anzugeben und auf meine Webseite www.beate-eierle.de zu verweisen. Vielen Dank, dass du meine Arbeit auf diese Weise würdigst!
Mein Angebot für dich
Wenn du Lust verspürst, deine Themen kreativ zu erforschen, um neue Sichtweisen auf dich zu gewinnen oder Grenzen aufzuweichen, lade ich dich herzlich ein, gemeinsam mit mir neue kreative Wege zu entdecken – mit Achtsamkeit und Feingefühl, dorthin, wo sich deine wahren Möglichkeiten entfalten und dein Inneres in neuen Farben leuchten darf.
Du bist der kreative Architekt deiner inneren Welt. Vertraue auf deine innere Weisheit, denn in dir liegt eine unerschöpfliche Quelle kreativer Kraft und Wandelbarkeit. Wie sagte es Publilius Syrus so treffend?
Niemand weiß, was er kann, bevor er es nicht versucht.
Also los – probiere dich aus! Wenn du das Gefühl hast, deine Kreativität liegt brach – dann nutze diesen Moment. Setze dir eine klitzekleine, kreative Mini-Challenge für heute: Male einen einfachen Farbverlauf, schreib einen spontanen Vierzeiler oder verändere ein Alltagsobjekt in deinem Zuhause. Teile deine Erfahrung mit mir in den Kommentaren oder auf meiner Webseite!
Sei mutig und entdecke neue Formen deines Ausdrucks. Ich freue mich, von deinen Erfahrungen zu hören!
Hören oder Lesen?
Wenn dich meine Art, Themen zu beleuchten, berührt, abonniere gerne meinen Podcast und lass uns gemeinsam etwas Neues beginnen.
Falls du die Folge nachlesen möchtest, findest du sie auf meiner Webseite www.beate-eierle.de.
Outro
Denk daran! Meine Worte entspringen meiner eigenen Innerlichkeit, meinen Erfahrungen und Wachstumsprozessen. Sie sind eine Einladung, deine eigene Reise durch die inneren Landschaften deiner Welt zu beginnen.
Finde deine Wahrheit, so wie ich meine gefunden habe, und folge dem Weg, der sich für dich richtig anfühlt – in deinem Tempo und mit deinem individuellen, künstlerischen Ausdruck. Sei dein eigener Guru, denn niemand lebt dein Leben oder hat die gleiche Geschichte wie du. Du allein lebst in deinem Körper, und jeder geht seinen ureigenen Weg.
Das war Folge 4: Lebenselixier Kreativität.
Danke, dass du mir heute deine wertvolle Zeit geschenkt hast. Ich freue mich, dich auf die nächste Reise mitzunehmen.
This content is blocked because it would connect to YouTube.
Worte, die bleiben – Aus meinem Leben: Begleittext zur Folge 3
Intro
Jede Folge ist ein Schritt zu dir selbst. Willkommen bei Innen.ART – dem Podcast für deine innere Landschaft, wo die Inspiration leise erwacht, Kreativität Transformation entfacht und Heilung einen Raum findet – mit mir Beate Eierle.
Einleitung
Folge 3: Sichere Bindung -Sicheres Leben
Wie stabile Verbindungen uns stärken, heilen und durch den Fluss des Lebens tragen.
Was gibt uns Halt im Leben? Es sind die Verbindungen, die wir knüpfen – zu anderen, zu uns selbst und vielleicht auch zu etwas Größerem. Bindung ist der unsichtbare Faden, der uns trägt, Vertrauen schenkt und uns hilft, im Fluss des Lebens anzukommen.
In dieser Folge tauche ich ein in die Welt der Bindung: von der Geburt über prägende Beziehungsmuster bis hin zur Heilung alter Verletzungen. Erfahre, wie Bindung mein Leben sicherer und erfüllter gemacht hat.
Bevor ich heute tiefer in das Thema Bindung eintauche, möchte ich dir eine kleine Geschichte erzählen, die ich für den Anfang eines Buchprojekts geschrieben habe, an dem ich immer mal wieder arbeite. Es handelt von einem Menschen und seinen inneren Bewohnern – so könnte ich es beschreiben. Einer dieser inneren Bewohner ist Seliis, die kleine Seele. Mehr möchte ich im Moment nicht verraten.
Also, los geht’s.
Geschichte
Neun Monate Entwicklung – vom Schöpfungsimpuls bis heute – und endlich ist dieser besondere Moment da. Hand in Hand stürzen Seliis und ihr Menschenkind in den Fluss des Lebens. Das ist, bildlich gesprochen, der Kreislauf der Schöpfung: von der ersten Sekunde des Lebens bis zum letzten Atemzug, wenn Mister Tod an die Haustür des Lebens klopft.
Menschenkinder mit einem stabilen Urvertrauen sind imstande, sich vom Fluss des Lebens tragen zu lassen. Bei eher vorsichtigen Kindern mit mangelndem Selbstvertrauen kannst du jedoch beobachten, dass sie sich entweder gegen den Fluss stellen oder nur so weit ins Wasser gehen, wie sie alles unter Kontrolle haben. Aus Angst, mitgerissen zu werden und dann nicht zu wissen, wohin es sie treibt. Ihre große Lebensaufgabe besteht darin zu erkennen, dass der Fluss sie trägt. Je weniger sie sich dem Leben entgegenstellen, desto weniger anstrengend ist es.
Seliis und ihr Mensch hatten eine stürmische Abfahrt auf dem Fluss des Lebens. Selten ging es ruhig und entspannt zu. Hin und her geworfen, glich ihre Reise einer Wildwasserfahrt, und manche Grenzerfahrungen schienen lebensbedrohlich.
In diesem ganzen Treiben kullerte und purzelte das Menschenkind, drehte sich – total erschrocken – in letzter Sekunde noch einmal um. Ehe Seliis sich versah, gerieten sie in den gigantischen Sog der Tür des Lebens. Jetzt gab es für sie beide kein Zurück mehr.
Mit beiden Beinchen stemmte das Menschenkind die Tür auf und landete mit den Füßen zuerst und einem lauten Schrei auf der Erde. Uhi, war das plötzlich hell hier! Es war ein heißer Sommermorgen im Sternzeichen des Löwen, der wie die Sonne selbst erstrahlte im Augenblick der Geburt. Zur gleichen Zeit ging am östlichen Horizont die Tierkreistür der zierlichen kleinen Jungfrau auf, die mit leiser, zarter Stimme wisperte: „Willkommen auf der Erde, geliebtes Menschenkind.“
Für die göttliche Seele Seliis begann augenblicklich das große Abenteuer MenschSEIN. Hautnah durfte sie es erleben und ging ab jetzt, untrennbar verbunden mit ihrem Menschen, auf irdische Entdeckungsreisen.
Bindung
Der wichtigste Satz in dieser Geschichte befindet sich am Ende: Die kleine Seele Seliis ist untrennbar mit ihrem Menschen bis zum Tod verbunden. Sich das bewusst zu machen, kann von großer Bedeutung sein, denn Bindung ist essenziell und beeinflusst viele Aspekte unseres Lebens – von der Kindheit über Beziehungen bis hin zu unserer inneren Selbstbindung.
Bindung bildet die Grundlage für Vertrauen, emotionale Stabilität und soziale Beziehungen. Sie hat großen Einfluss auf unsere persönliche und psychische Gesundheit.
Die kleine poetische Geschichte verdeutlicht, wie wichtig es ist, von Anfang an eine sichere Verbindung zu erleben. In meinem Verständnis beginnt diese Verbindung bereits bei den Umständen der Zeugung und setzt sich in der Zeit bis zur Geburt fort und dann natürlich weiter im Leben.
Wie lässt sich meine poetische Perspektive mit wissenschaftlichen und psychologischen Erkenntnissen über Bindung verbinden?
Urvertrauen: Die Metapher vom „Fluss des Lebens“ symbolisiert das Urvertrauen, das durch stabile Bindung, Nähe und Verlässlichkeit unserer ersten Bezugsperson entsteht.
Bindungssicherheit: Menschen, die darauf vertrauen, dass der Fluss des Lebens sie trägt, lassen sich treiben – das entspricht einer sicheren Bindung. Vorsichtige Menschen, die Kontrolle suchen, spiegeln eher unsichere oder vermeidende Bindungsstile wider.
Lebensübergänge: Die Geburt als „Türe des Lebens“ symbolisiert den ersten großen Übergang, bei dem die Bindung zur Mutter essenziell wird.
Bindungstheorie
Die Bindungstheorie, die von John Bowlby, einem britischen Kinderarzt, Kinderpsychiater und Psychoanalytiker, entwickelt wurde, beschreibt, wie Kinder emotionale Bindungen zu ihren Bezugspersonen aufbauen. Dies sind meist die Eltern, können jedoch auch andere Bezugspersonen wie Pflegeeltern, Großeltern, Tante, Onkel, Geschwister oder Erzieher:innen in einem Heim oder Internat sein. Bowlby beschreibt Bindung als ein unsichtbares, gefühlvolles Band zwischen dem Kind und seinen Bezugspersonen, das ihm im besten Fall ein tiefes Gefühl von Sicherheit und Schutz vermittelt. Die Qualität der Bindung hat enorme Auswirkungen auf die gesamte kindliche Entwicklung sowie auf das weitere Leben.
Bindung scheint also ein biologisches Grundbedürfnis des Menschen zu sein.
Persönliche Erfahrungen
Ich kam zum ersten Mal 2008 in meiner Reha mit der Bindungstheorie in Kontakt, die ich aufgrund meiner chronischen Schmerzstörung machte. Damals hielt mich eine atypische Trigeminusneuralgie in ihren Klauen, und mein Leben bestand seit 2001 aus einem bohrenden Dauerschmerz, der mich 2005 fast in den Suizid trieb, weil er unerträglich war.
Ich schrie in so vielen Nächten in mein Kopfkissen und bettelte zu Gott, dass er endlich damit aufhören sollte. Was für ein verzweifelter Versuch – als ob Gott mich absichtlich leiden sehen wollte. Aber was machte ich nicht alles in der Hoffnung, dass der Schmerz irgendwann aufhören würde.
In meiner ersten Reha am Königssee 2006 hatte ich das Glück, dass mein österreichischer Stationsarzt nach Jahren der Schmerzen und zahlreicher Therapien mit Neuraltherapie endlich einen Durchbruch schaffte. In Form eines imaginären „Kranzes“ um den Kopf – auch Dornenkranz genannt – spritzte er knapp 30 Triggerpunkte mit einem lokalen Betäubungsmittel ab. Ich schrie wie am Spieß und klammerte mich mit aller Kraft an die Stuhllehne, um nicht vor Schmerzen aufzuspringen.
Die Behandlung dauerte ewig, obwohl sie normalerweise in 10 bis 15 Minuten durchgeführt ist. Ich war über die Jahre so schmerzempfindlich geworden, dass selbst mein Arzt erstaunt war. Gott sei Dank war ich nach dieser ersten Behandlung für ganze 10 Stunden schmerzfrei. Mein Kopf fühlte sich an wie eine riesige Wattekugel. Ich weinte vor Erleichterung still in mein Essen, das mir in die Cafeteria gebracht wurde. Die regulären Essenszeiten im großen Speisesaal waren längst vorbei.
Die Neuraltherapie wurde während der Reha abgerechnet, doch ambulant wurde sie aufgrund von Gesetzesänderungen von der AOK nicht mehr bezahlt. Da ich nach der Schließung meiner Modefirma für Übergrößen 2006 kein eigenes Einkommen mehr hatte, konnte ich mir die Behandlung zwei- bis dreimal in der Woche auf Dauer nicht leisten. Die Rückfälle kamen, und ich ging 2008 und 2011 wieder in die Reha, um mich zu stabilisieren. Anfragen über Kostenübernahme wurden immer wieder abgelehnt. Mein Rehaarzt verstand das nicht und schlug mir in der letzten Reha Hilfe zur Selbsthilfe vor.
„Wie soll das aussehen?“, fragte ich ihn.
„Als Heilpraktikerin kommen Sie an ein lokales Betäubungsmittel, und dann spritzen Sie sich eben selbst.“ Ich schaute ihn sprachlos an und dachte: Hat der nicht alle Tassen im Schrank? Doch er meinte es wirklich ernst.
„Was wollen Sie machen, wenn die Kosten nicht übernommen werden, der Schmerz Sie übermannt und man Sie so im Stich lässt?“ Da war guter Rat teuer.
„Ich weiß es nicht“, kam es leise aus meinem Mund. Ich schaute ihn ratlos an. „Also los, ab vor den Spiegel, Sie schaffen das.“
Er zog eine Spritze mit einer superkurzen Nadel auf, damit ich nicht aus Versehen zu tief stach, und zeigte mir genau den Triggerpunkt, wo ich einstechen sollte. Zunächst einfach mal kurz unter die Haut, um ein bisschen von dem Betäubungsmittel schon mal zu platzieren, und dann noch ein bisschen tiefer, um den Nerv weiter zu betäuben.
Da stand ich nun, mit meiner Brille auf der Nase, Tränen in den Augen vor Überforderung und Angst, dass ich mir ins Auge steche, weil auf der Augenbraue der Schmerz immer am heftigsten war.
Warum ich? schrie es in mir. Warum immer solche Herausforderungen?
Ein Gedankengewitter zog in Sekundenschnelle durch meinen Kopf, und ich wog innerhalb von Sekunden meine Chancen ab. Traute ich mich nicht, gab es keine Selbsthilfe für mich. Traute ich mich und hatte Glück, den richtigen Punkt zu erwischen, wurde der Schmerz weniger.
Also gut, ich probiere es.
Ich erspare dir den Rest dieses Geschehens. Es ist und bleibt eine meiner fürchterlichsten Herausforderungen, mir selbst in den Kopf zu spritzen, und ich tat es nur im absoluten Notfall mit zig Anläufen zu Hause. Was für ein Albtraum.
Etwas in mir erinnerte sich an das Gefühl des Alleingelassenseins in meiner Kindheit. Um aus diesem Albtraum zu fliehen, reichte ich nach der letzten Reha 2011 eine Klage gegen die wiederholten Ablehnungen der Krankenkasse ein – und verlor.
Das Gefühl, ohne Anbindung an verlässliche Hilfe zu sein, war grauenhaft.
Spurensuche
Während meiner Reha war ich weiterhin auf Spurensuche für diesen wütenden Schmerz.
Es war nach einer Gruppensitzung, als ich mich kurz mit einer Psychologin über meinen Schmerz und die evtl. in Frage kommenden Ursachen unterhielt. Ich hatte mich über die Symbolik des Dornenkranzes informiert. Mein Schmerzfeld wies auf Zusammenhänge zwischen Schmerzpunkten und vegetativen Reflexzonen hin – Spannungen im Kopfbereich und, wie wir in der Reha feststellten, auf Stress und bestimmte Themen, wenn sie angesprochen wurden.
Die energetische und psychosomatische Perspektive des Dornenkranzes führte schnell zu emotionalen und spirituellen Themen. In der Symbolik steht der Dornenkranz oft für Leid und Bürde, was auf psychische Belastungen hinweist, die sich körperlich manifestieren können. Die psychosomatische Deutung war, dass es sich um Belastungen handelt, die mit Verantwortung, Schuldgefühlen oder innerem Druck verbunden sind und sich über das vegetative Nervensystem widerspiegeln.
Dieser innere Druck war mir nur allzu vertraut, besonders im Zusammenhang mit den Beziehungen meiner frühen Kindheit. Genau da hakte die Psychologin ein und brachte das Thema Bindung und Bindungsstörung ins Gespräch. Schon der Begriff Bindungsstörung versetzte mich in eine Abwehrhaltung. Ich bin doch nicht bindungsgestört! Ich hatte Freunde, einen Partner, Hunde – wie konnte ich bindungsgestört sein?
Die Psychologin bemerkte meinen Widerstand und lud mich ein, mich mit der Bindungstheorie nach Bowlby zu beschäftigen. Ich tat es, denn ich suchte Antworten darauf, warum dieser Schmerz so wütete. Das Erste, was ich erkannte: Selbst wenn ich tatsächlich eine Bindungsstörung haben sollte, trug ich keine Schuld daran. Als Kleinkind war ich vollständig abhängig von der Fürsorge meiner Eltern und passte mich den Störungen meiner Bezugspersonen an, um so viel Beziehung wie möglich zu erhalten und zu überleben.
Die Einordnung in die verschiedenen Bindungstypen – von sicherer Bindung (Typ B) bis hin zu unsicher-desorganisierter Bindung (Typ D) – war für mich in diesem Moment nicht das Wichtigste. Es waren Kategorien, gesellschaftliche Schubladen, die Inhalte einordneten, doch entscheidender war für mich die Erkenntnis, dass meine Verhaltensweisen in zwei Gruppen passten. Von diesem Punkt an begann ich, mich selbst und meinen Schmerz sehr aufmerksam zu beobachten.
Später, in meiner Traumatherapie, kam das Thema Bindung und Schmerz erneut zur Sprache. Behutsam lernte ich zu akzeptieren, dass ich als Kind tatsächlich eine Bindungsstörung entwickelt hatte – etwas, das aufgrund meiner biografischen Erlebnisse niemanden aus der Fachwelt überraschte. Meine frühe Kindheit war geprägt von ständigen Wechseln zwischen Bezugspersonen: Ich war nur kurz bei meiner Mutter und landete dann bei Oma, Opa, Tante und Onkel. Es gab keine stabile Verlässlichkeit. Mit zwei Jahren wurde ich zu Pflegemüttern gegeben, die mich entweder schlugen oder an ein Tischbein banden, um meine Bewegungsfreiheit einzuschränken.
Als ich diese erschütternden Wahrheiten viele Jahre später während meiner Spurensuche nach den Ursachen meiner Schmerzen erfuhr, war ich fassungslos. Mein Verstand konnte es nicht begreifen. Diese Erfahrungen zeigten mir, was passieren kann, wenn ein Kind schlimme Ereignisse in seiner frühkindlichen Biografie nicht verarbeiten kann. Die ungelösten inneren Konflikte drängten durch den Schmerz an die Oberfläche und verlangten danach, gesehen, gefühlt und verarbeitet zu werden.
Ich erinnere mich noch gut an den Satz meines Trauma Therapeuten in einer der ersten Sitzungen: „Zuviel Eindruck, mit zu wenig Ausdruck.“ Schritt für Schritt lernte ich als erwachsene Frau, diesen tiefen Verletzungen mit voller Kraft Ausdruck zu verleihen. Dabei nutzte ich wohlbewusste Übungen: Ich schlug gezielt in vollem Bewusstsein mit einem Stock auf eine Matratze. Unkontrollierte Wut die einfach nur zerstörerisch ist, war nicht die Aufgabe. Einen Ton dazu erklingen zu lassen, fiel mir unendlich schwer. Es dauerte lange, bis ich schließlich einen Schrei herausließ – leise zu Beginn, dann immer lauter. Es war ein Schrei, den ich als Kleinkind vermutlich unterdrückt hatte.
Als Kind war ich ein liebes, stilles Mädchen, wie mir mein Onkel und meine Tante erzählten. Vermutlich wartete ich nur darauf, endlich etwas liebevolle Aufmerksamkeit zu bekommen. Alles, was ich als Kind ertragen und abgespalten hatte, um zu überleben, kam jetzt zum Vorschein. Und plötzlich begann der Schmerz meiner Trigeminusneuralgie sich zurückzuziehen.
Jahr für Jahr verlor er mehr von seiner wütenden Kraft. Ich konnte hautnah miterleben, wie ich innerlich heiler und schmerzfreier wurde, je mehr ich meine frühkindliche Vergangenheit verarbeitete und die lange verdrängten und sorgsam gehüteten Gefühle aussprach.
Heute zeigt sich der Trigeminus-Schmerz nur noch, wenn ich mich überfordere, meine Kräfte nicht achtsam einteile oder mir zu wenig Entspannung gönne. Er ist wie ein Stress-Thermometer, das mich warnt. Wenn er sich meldet, lasse ich alles stehen und liegen. Denn dieser Nervus Trigeminus – mein fünfter Hirnnerv – verhält sich wie eine Krake, die ihre Tentakel bewegt und sich mit Druck und Schmerz bemerkbar macht.
Fast zwei Jahrzehnte lang habe ich mich durch die Schmerz Schattenwelten meines Lebens bewegt, auf der Suche nach Heilung. Es hat viel Zeit und Kraft gekostet, die Hintergründe dieses Vernichtungsschmerzes zu verstehen, zu bearbeiten und fast vollständig zu erlösen. Der Preis war hoch, aber ich habe es geschafft, diesen Schmerz zu besiegen, indem ich alle frühen und späteren Bindungserfahrungen betrachtet habe.
In meiner Kindheit konnte ich keine starken Wurzeln bilden, die von Nähe, Sicherheit und Zuverlässigkeit genährt wurden. Das war nicht meine Schuld. Es fehlte an einer sicheren Bindung, die von Vertrauen und emotionaler Verfügbarkeit geprägt war. Stattdessen erlebte ich Trauma, Verlust, Vernachlässigung, Unsicherheit und Missbrauch, was mein Nervensystem und mein Verhalten nachhaltig beeinflusste.
Meine wirklich verlässlichsten Beziehungen in den ersten 30 Jahren meines Lebens waren lange Zeit eine Handvoll Freunde und meine Tiere. In meiner Kindheit waren es vor allem meine Hamster, mein Hase und mein Wellensittich. Später kamen meine Katzen und vor allem meine drei Hunde dazu.
Meine Katzen hatten diese ruhige Präsenz, fast ein bisschen erhaben, und waren vor allem verschmust. Sie kamen, wann sie wollten, und ich kuschelte gerne mit ihnen. Ihre einfühlsamen Berührungen und ihr Anschmiegen taten mir gut. Ihr Schnurren hatte etwas unglaublich Beruhigendes.
Die bedingungslose Akzeptanz und Liebe, die mir meine drei Hunde schenkten, bildeten für mich eine sichere Basis für meine emotionale Entwicklung. Keines meiner Tiere bewertete mein Aussehen, mein Verhalten oder meine emotionalen Wunden. Im Gegenteil, sie spürten, wenn ich traurig war. Instinktiv kamen sie zu mir, kuschelten sich an mich, leckten meine Hände und schauten mich mit einem Blick an, der Bände sprach. Sie spiegelten meine Emotionen wider und reagierten immer auf meine inneren Zustände.
Wenn ich meine Tiere streichelte, reduzierte das meinen inneren Stress – und vor allem meine Hunde genossen diese Zuwendung sehr. Diese nicht-bedrohliche, einfühlsame Weise des Kontakts tat sowohl Mensch als auch Tier gut.
Durch meine Hunde habe ich viel gelernt, insbesondere wie sich eine gesunde Beziehung anfühlt: eine Beziehung, die von Verlässlichkeit, Fürsorge, Liebe, Geduld und gegenseitigem Respekt geprägt ist. Sie trugen alle ein Stück zu meiner Heilung bei, weil sie frei waren von den oft komplexen Dynamiken, die es in menschlichen Beziehungen gibt.
Kindheitserfahrungen haben das Potenzial, unsere späteren Beziehungen zu prägen. Sie spielen eine Rolle in Partnerschaften, Freundschaften, beruflichen und Freizeit, Kontexten oder auch in Beziehungen zu Ärzten und Therapeuten. Sogar die Beziehung zu uns selbst – unsere Selbstfürsorge, Selbstliebe und innere Sicherheit – kann durch diese frühen Erlebnisse beeinflusst werden. Diese Erfahrungen bestimmen, ob wir zu emotionaler Kommunikation und Empathie fähig sind, oder sie prägen uns gerade dadurch, dass wir Kindheitsschmerz kennen.
Heilung von Bindungsverletzungen
Wie Bindung funktioniert und wie man sichere Bindungen aufbauen kann, lernst du nur, wenn du den Mut hast, Bindungen einzugehen – auch nach einer schwierigen Kindheit. Dafür braucht es ein Gegenüber, das bereit ist, sich einzulassen. Für mich war das mein Partner.
Wir haben uns beide aufeinander eingelassen – mit allen Höhen und Tiefen. Erlebten Verbindung und Entbindung und erneute Wiederverbindung. Durch viele Herausforderungen, radikale Ehrlichkeit, Mut und langsam wachsendes Vertrauen haben wir in über 30 Jahren eine sichere, verlässliche Beziehung aufgebaut, die heute allen Stürmen trotzt.
Ich bin sehr dankbar für dieses Wachstum, auch wenn es oft wie ein Schneckentempo schien und zeitweise Verunsicherungen aufkamen. Doch wir haben uns immer wieder gegenseitig vergewissert, wo wir auf unserem Weg standen und wie wir gefühlsmäßig miteinander verbunden waren. Dreißig Jahre sind eine lange Zeit, in der sich vieles verändert. Deshalb ist es wichtig, regelmäßig innezuhalten und zu prüfen, ob man den Weg weiterhin gemeinsam gehen möchte.
Selbstbindung
Die Förderung meiner Selbstbindung, besonders der Selbstliebe, ist immer noch ein fortlaufender Prozess. Ich übe mich fast täglich in Wertschätzung für das, was ich bin und was ich tue. Es ist wohl die größte Herausforderung für mich. Die vielen Introjekte aus meiner Kindheit, das sind innere Anteile von mir, die sich gegen mich selbst gewandt haben und Worte benutzen, die damals Täter:innen benutzt haben, melden sich einfach zu oft zu Wort und lassen mich immer wieder verunsichert zurück. Es ist dann wirklich Arbeit, sie durch mein erwachsenes, bewusstes Ich zu beruhigen.
Selbstakzeptanz und Vergebung sind ebenso herausfordernd, doch es wird besser, je älter ich werde. Meine eigenen Bedürfnisse zu erkennen fällt mir mittlerweile leicht, sie zu respektieren hingegen bleibt eine tägliche Aufgabe. Die leise Selbstkritik durch echtes Selbstmitgefühl zu ersetzen, darf ich weiterhin tagtäglich üben. Es ist ein Prozess – und ich kann es nicht oft genug wiederholen. Es beginnt mit kleinen Schritten, und über die Zeit verändert sich vieles langsam, aber stetig. Ich glaube, das ist die eigentliche Herausforderung: dranzubleiben und nicht aufzugeben.
Mein kreativer Selbstausdruck ist über all die Jahre zu meiner stärksten Verbindung mit meinem inneren Selbst geworden. Dazu lade ich auch in all meinen Beiträgen immer wieder ein. Die Schönheit in all dem Drama und Trauma zu sehen, ist für mich wahre Lebenskunst.
Bei allem, was geschehen ist, habe ich mir stets eine Frage gestellt, wenn ich die nächste Herausforderung meistern durfte: Was soll ich daraus lernen?
Vielleicht hilft dir diese Frage, eine neue Perspektive einzunehmen.
Die Bedeutung von Therapie
Wenn du merkst, dass du alleine mit deinen Schattenthemen nicht weiterkommst, hole dir professionelle liebevolle Unterstützung. Die Wahl eines geeigneten Therapeuten ist entscheidend, besonders bei Bindungsthemen. Therapie ist ein „neuer Bindungsraum“, in dem alte Verletzungen heilen und neue Erfahrungen von Sicherheit und Vertrauen gemacht werden können. Die therapeutische Beziehung ist oft der wichtigste Wirkfaktor, denn sie ermöglicht es dir, gesehen, gehört und verstanden zu werden.
Ich hätte meine Themen niemals allein bewältigen können. Ich war 17 Jahre alt, als ich während einer Bahnreise nach Paris einer fremden Frau aus purer Verzweiflung meine Lebensgeschichte erzählte. Ich hatte plötzlich so viel Vertrauen zu ihr und dann kam genau dieser Punkt, an dem sie mir das sagte, was ich dir sagen möchte, sofern es dich betrifft: „Vertraue dich einem Therapeuten an. Überwinde deine Scham und Angst. Du musst deine Herausforderungen nicht alleine bewältigen.“
Es hat zwölf Jahre gedauert, bis der innere Druck so groß war, dass ich mir professionelle Hilfe suchte. Warte nicht so lange. Es wäre schade, wenn du so lange leiden müsstest. Bei mir blieb es nicht bei einer einzigen Therapie. In gewissen Abständen folgten weitere, denn es brauchte Zeit, um die inneren Verletzungen in der Tiefe Schritt für Schritt zu heilen. Es ist ein Prozess. Wer dir erzählt, das ginge mal so eben in einem 7 oder 10 Schritte Programm, dann erlaube ich mir zu sagen, das ist total unseriös, denn jede Trauma-Geschichte ist einzigartig und erfordert eine individuelle Begleitung.
Wer therapieerfahren ist, weiß, wie anstrengend eine Sitzung sein kann und wie lange sie manchmal nachwirkt. Diese innere Arbeit geht nicht im Galopp. Du kannst sie nicht überstürzen. Und nicht jeder Therapeut ist geeignet, dein gesamtes „Paket“ zu tragen. Es hängt davon ab, wie erfahren und stark der Therapeut selbst ist.
Für mein Vaterthema, über das ich mehr als 50 Jahre geschwiegen habe, musste ich lange auf den richtigen Therapeuten warten. Es gibt nur wenige, die mit einem solchen Thema vertraut sind und sowohl Täter als auch Opfer therapieren können.
Mein Wunsch
Ich würde mir für die Zukunft wünschen, dass es Bildungsangebote für Paare gibt, die Eltern werden wollen – so etwas wie einen Elternführerschein vielleicht, der bestätigt, dass sie das Rüstzeug haben, einem Kind ein sicheres, stabiles Urvertrauen zu vermitteln. Denn sichere Bindungen tragen die Ressourcen in sich, damit ein Kind sich körperlich, seelisch und sozial gesund entwickelt.
Reflexion
Am Ende dieser Folge lade ich dich ein, über folgende Reflexionsfragen nachzudenken:
Welche wichtigen Erkenntnisse hast du aus der Folge gewonnen?
Kannst du dich an Beziehungen erinnern, in denen du dich besonders sicher oder unsicher gefühlt hast?
Fällt es dir leicht oder schwer, dich in Beziehungen fallen zu lassen – und warum?
Wie kannst du heute eine kleine Handlung setzen, um mehr Sicherheit und Verbindung in dein Leben zu bringen?
Möchtest du noch eine Kreativ-Übung ausprobieren?
Schnapp dir ein Blatt Papier – A4 oder größer, ganz nach deinem Geschmack. Zeichne einen Kreis in die Mitte, der für dich steht, und füge alle Beziehungen, die dir wichtig erscheinen, in Form von Quadraten und Dreiecken um dich herum ein.
Platziere die Beziehungen, die sicher sind und dir guttun als Quadrat, näher bei dir; die unsicheren weiter weg als Dreieck. Spüre hinein, welcher Abstand sich für dich stimmig anfühlt. Passe auch die Größe der Quadrate und Dreiecke an, je nachdem, wie wichtig und bedeutsam die Beziehung für dich ist. Beschrifte die Quadrate und Dreiecke, damit du später noch weißt, welche Beziehung dargestellt wird.
Verbinde jedes Quadrat und Dreieck mit einer Linie oder geschwungenen Linie zur Mitte. Diese Linien symbolisieren eure Verbindung. Die künstlerische Gestaltung überlasse ich ganz dir. Koloriere oder füge weitere Details hinzu, wenn du magst.
Hänge die Zeichnung an einen Ort, an dem du sie immer wieder sehen kannst, und beobachte, was sich in dir verändert. Schreibe deine Erkenntnisse gerne auf die Rückseite, auf ein separates Blatt oder in ein Buch für deine innere Reise und Entdeckungen. Ich mache, dass gerne mit Bleistift auf die Rückseite der Zeichnung, damit ich sie nicht zerstöre oder sich etwas durchdrückt.
Ich hoffe, diese Übung bereichert deine Innenwelt mit neuen Impulsen.
Wertschätzung
Wenn du die Übung beruflich nutzen möchtest, freue ich mich, wenn du meinen Podcast „Innen.Art mit Beate Eierle“ als Inspirationsquelle erwähnst und auf meine Webseite www.beate-eierle.de hinweist. Vielen Dank, dass du meine Arbeit auf diese Weise wertschätzt!
Die tröstlichste Aussage
Was bleibt mir noch zu sagen? Erinnerst du dich an den wichtigsten Satz am Ende meiner kleinen Geschichte? „Die kleine Seele Seliis ist untrennbar mit ihrem Menschen bis zum Tod verbunden.“
Das ist die tröstlichste Aussage, mit der ich mich heute verabschieden möchte. Selbst wenn all deine Beziehungen dir keine Sicherheit, Verlässlichkeit, Stabilität und Urvertrauen geben konnten, gibt es eine Verbindung in dir selbst, die das kann.
Diese Verbindung lohnt es, entdeckt zu werden. Du und deine Seele gehen immer Hand in Hand durch dein Leben – bis zu deinem letzten Atemzug. Und wer weiß es schon? Vielleicht sogar noch viel länger, als wir ahnen. Diese Verbindung wird dich nie verlassen. Sie ist immer für dich da – die stärkste, liebevollste, gütigste und weiseste Verbindung, die du in dir trägst.
Hören oder Lesen?
Wenn dich meine Art, Themen zu beleuchten, berührt, abonniere gerne meinen Podcast und lass uns gemeinsam etwas Neues beginnen.
Wenn du die Folge nachlesen möchtest, findest du sie auf meiner Webseite www.beate-eierle.de.
Mein Angebot für dich
Wenn du deine eigenen Themen kreativ erforschen möchtest, lade ich dich herzlich ein, gemeinsam mit mir neue Wege zu entdecken – mit Achtsamkeit und Feingefühl, dorthin, wo sich deine wahren Möglichkeiten entfalten und dein Inneres in neuen Farben leuchten darf. Melde dich gerne bei mir über meine Webseite www.inspiratiografie.de – ich freue mich auf dich!
Outro
Denk daran! Meine Worte entspringen meiner eigenen Innerlichkeit, meinen Erfahrungen und Wachstumsprozessen. Betrachte sie als Einladung, deine Reise durch die inneren Landschaften deiner Welt zu beginnen.
Finde deine Wahrheit, so wie ich meine gefunden habe, und folge dem Weg, der sich für dich richtig anfühlt – in deinem Tempo und mit deinem individuellen, künstlerischen Ausdruck. Sei dein eigener Guru, denn niemand lebt dein Leben oder hat die gleiche Geschichte wie du. Du allein lebst in deinem Körper, und jeder geht seinen ureigenen Weg.
Das war die Folge 3: Sichere Bindung – sicheres Leben.
Danke, dass du mir heute deine Zeit geschenkt hast. Ich freue mich, dich auf die nächste Reise mitzunehmen.
This content is blocked because it would connect to YouTube.
Worte, die bleiben – Aus meinem Leben: Begleittext zur Folge 2
Intro
Jede Folge ist ein Schritt zu dir selbst. Willkommen bei Innen.ART – dem Podcast für deine innere Landschaft, wo die Inspiration leise erwacht, Kreativität Transformation entfacht und Heilung einen Raum findet – mit mir Beate Eierle.
Einleitung
Folge 2: Mitleid schwächt – Mitgefühl stärkt
Bevor ich in den kommenden Folgen tiefer auf die Herausforderungen meines Lebens und die darin verborgenen, wertvollen Lektionen eingehe, möchte ich einen zentralen Punkt vorab klären, der mir besonders am Herzen liegt:
Ich brauche kein Mitleid! Echtes Mitgefühl jedoch schon.
Mit diesem Gedanken möchte ich dich direkt ansprechen: „Wie reagierst du, wenn du einem Menschen begegnest, der leidet?“ Lass uns gemeinsam einen Blick auf einige der schmerzhaften Themen werfen, denen wir in unserer Gesellschaft immer wieder begegnen – Themen, die viele von uns persönlich oder durch das Leid anderer berühren. Mich selbst haben einige dieser leidvollen Themen heimgesucht und ich durfte meinen Umgang mit ihnen finden.
Themen
Menschen mit chronischen oder akuten Krankheiten wie Krebs, Autoimmunerkrankungen, Migräne oder Trigeminusneuralgie.
Folgen von Unfällen oder körperlichen Einschränkungen, etwa durch Amputationen oder Behinderungen.
Ältere Menschen, die plötzlich mit Einschränkungen oder Pflegebedürftigkeit konfrontiert sind, obwohl sie zuvor noch voller Energie waren.
Unsichtbares Leiden wie Depressionen und Ängste, die oft missverstanden oder übersehen werden – mit tragischen Konsequenzen. Erinnern wir uns an Robert Enke, den Torwart von Hannover 96, der im November 2009 seinem Leben ein Ende setzte. Sein Schicksal war eine mahnende Erinnerung, Depressionen ernst zu nehmen.
Kinder und Erwachsene, die traumatische Erlebnisse wie Gewalt, Missbrauch oder Naturkatastrophen durchlitten haben und oft jahrelang an den Folgen leiden.
Mobbing, das sogar schon in Schulen grassiert und viele Kinder durch Ausgrenzung und Demütigung verzweifeln lässt. Sie leiden Höllenqualen.
Soziale Einsamkeit – ein immer größer werdendes Problem, das sich oft hinter geschlossenen Vorhängen abspielt.
Finanzielle Unsicherheit durch Armut und Arbeitslosigkeit, begleitet von der stillen Scham, die Betroffene zusätzlich belastet.
Sinnkrisen, Beziehungsprobleme, Perfektionismus, der Verlust von Hoffnung, Krieg, Gewalt und Tod.
Diese Liste ließe sich noch stundenlang fortsetzen. Und sicherlich kennst auch du weitere Beispiele. Doch an dieser Stelle möchte ich innehalten und dir zwei persönliche Fragen stellen, die mir besonders wichtig sind.
Zwei persönliche Fragen
Wie fühlst du dich, wenn dir Menschen begegnen, die von einem dieser Themen betroffen sind? Und wie reagierst du darauf?
In unserer Gesellschaft wird viel über Hilfe und Unterstützung gesprochen. Aber tun wir wirklich genug? Zeigen wir echtes Mitgefühl – oder verfallen wir unbewusst in bloßes Mitleid?
Genau hier liegt der entscheidende Unterschied, den ich ausloten und vertiefen möchte. Lass uns gemeinsam untersuchen, was diese beiden Begriffe bedeuten und wie wir durch Mitgefühl echte Veränderung bewirken können.
Mitleid
Etymologisch stammt das Wort „Mitleid“ aus dem Mittelhochdeutschen („mitlît“) und dem Althochdeutschen („mitleida“). Es setzt sich aus den Bestandteilen zusammen:
mit: bedeutet „zusammen mit“ oder „gemeinsam“ und Leid: steht für „Schmerz“ und „Kummer“.
Ursprünglich bezeichnete Mitleid das „Zusammen-Empfinden von Leid“. Es impliziert, das Leid eines anderen zu „teilen“ oder „miterleben“ zu wollen. Dies geschieht jedoch oft auf rein emotionaler Ebene, ohne dass aktiv eingegriffen oder nach einer Lösung gesucht wird – auch wenn man den Betroffenen am liebsten aus seiner misslichen Lage befreien möchte. Dabei besteht die Gefahr, dass uns die negativen Gefühle selbst stark belasten oder gar überwältigen, wenn wir keine innere Distanz dazu aufbauen und uns immer wieder in diese Emotionen hineinziehen lassen. Das Leid des anderen kann so zu unserem eigenen Leid werden.
Vielleicht hat Mitleid deshalb über die Zeit eine leicht distanzierte und oft herablassende Konnotation erhalten. Es bleibt auf das Leiden fokussiert, ohne den Leidenden zu stärken. In meinen Augen bringt diese Haltung dem Leidenden wenig, da er in eine Rolle gedrängt wird, die von Hilflosigkeit und Hoffnungslosigkeit geprägt ist. Im Zustand des Mitleidens setzen wir uns weder offen mit der leidenden Person und ihren Möglichkeiten auseinander, noch hinterfragen wir die Ursache unserer eigenen mitleidigen Reaktion.
Mitgefühl
Mitgefühl, ebenfalls aus dem Mittelhochdeutschen stammend, setzt sich wie folgt zusammen:
mit: wiederum „zusammen mit“ oder „gemeinsam“ und Gefühl: umfasst „Empfindung“, „Wahrnehmung“ und „Emotion“.
Mitgefühl bedeutet somit ein „gemeinsames Fühlen“ in einer Situation, jedoch in einem weiteren und aktiveren Sinn als Mitleid. Es geht nicht nur darum, das Leid eines anderen zu erkennen, sondern auch emotional mit ihm verbunden zu sein. Daraus entsteht oft der Wunsch, zu helfen oder zu unterstützen. Mitgefühl wird als positiver wahrgenommen, da es auf Verbindung und Unterstützung ausgerichtet ist. Es betont die menschliche Nähe und die Stärkung des anderen.
Zusammenfassung
Beide Begriffe, „Mitleid“ und „Mitgefühl“, teilen die Vorsilbe „mit“, die Gemeinschaft oder Teilhabe ausdrückt. Der Unterschied liegt jedoch in den Wurzeln:
Leid: verweist auf Schmerz und Unglück und bleibt in der emotionalen Dimension des Leidens verhaftet. Gefühl: öffnet den Raum für eine breitere emotionale Palette und eine aktivere Haltung, die Nähe, Verständnis und Handlung einschließt.
Altbekanntes Sprichwort
Der häufig verwendete Spruch: „Geteiltes Leid ist halbes Leid“ mag in der Mathematik Gültigkeit haben, doch je nach Kontext und Interpretation wird das Leid in der Realität nicht unbedingt halbiert.
Der Spruch suggeriert, dass das Leid objektiv weniger wird, wenn es geteilt wird. Doch das trifft nicht immer zu. Besonders bei großen Verlusten oder chronischen Problemen bleibt das Leid oft bestehen, selbst wenn man darüber spricht. In solchen Fällen kann sich die emotionale Last sogar auf andere übertragen, ohne dass das eigene Leid dadurch tatsächlich kleiner wird. Man könnte also sagen: „Das Leid wird verteilt, aber nicht reduziert.“
Der Spruch ist somit weder absolut „wahr“ noch „falsch“. In manchen Situationen trifft er zu, vor allem wenn es gelingt, echtes Mitgefühl und Verbundenheit zu schaffen. Entscheidend ist, wie das Leid geteilt wird und ob die andere Person es mit Mitgefühl und Verständnis auffängt, statt bloßes Mitleid zu zeigen oder das Leid gar zu verstärken.
Dieser Spruch zeigt deutlich, wie wichtig es ist, seine Bedeutung kritisch zu reflektieren. „Geteiltes Leid ist halbes Leid“ gilt nur dann, wenn echtes Mitgefühl im Spiel ist – andernfalls kann es das Gegenteil bewirken.
Retroperspektiv
Rückblickend auf meine eigene Kindheit kann ich das nur bestätigen. Als ich fast mein Bein durch einen aggressiven Knochentumor verloren hätte, waren es die mitleidigen, passiven Aussagen, die mir Angst machten und mich wie ein Opfer fühlen ließen.
Ich erinnere mich noch genau an die Worte meiner Mutter, die ich heimlich belauschte, als sie abends am Telefon mit meiner Patentante über die schreckliche Verdachtsdiagnose sprach: „Ach, das arme Kind. Wie schrecklich, das tut mir so leid.“ Ihre Stimme war ein Flüstern voller Mitleid, das mir Angst einjagte.
Plötzlich begann in meinem Kopf ein Film abzulaufen: Nie wieder Skifahren, kein Sport, kein Tanzen – nichts von dem, was ich so liebte. Ich sagte meiner Mutter nichts davon, dass ich Bescheid wusste, und ging mit einem flauen Gefühl und einer riesigen Portion Angst ins Krankenhaus.
Dort verstärkten sich meine Gefühle der Hilflosigkeit. Die Ärzte tuschelten, meine Mutter sah mich mit einem besorgten, mitleidigen Blick an, und ich wurde immer kleiner in meinem Bett. Ich fühlte mich schwach, ausgeliefert und allein. Was mir stattdessen geholfen hätte, wäre echtes Mitgefühl gewesen – jemand, der meine Angst spürt und mich liebevoll versteht, ohne mich zu bevormunden oder in eine Opferrolle zu drängen.
Ich war gerade einmal 13 Jahre alt, als mein Leben vollständig auf den Kopf gestellt wurde. Was ich damals brauchte, war nicht Mitleid, sondern Unterstützung, die mich in meinen Stärken stärkt. Denn auch damals war ich schon eine Kämpferin. Nach der Operation war meine erste Frage, ob mein Bein noch da war. Die Erleichterung war riesig, als ich erfuhr, dass ich Glück gehabt hatte. Doch das wahre Glück waren die Kinder auf meinem Krankenhauszimmer. Sie boten mir nicht nur Mitgefühl, sondern auch praktische Hilfe.
Ich erinnere mich noch genau, wie sie mir halfen, den Toilettengang auf festem Boden zu ermöglichen, obwohl ich eigentlich nicht aufstehen durfte. Eine hielt mein Bein hoch, die andere stellte die Bettpfanne auf den Boden – und ich schaffte es irgendwie, dank meiner gelenkigen Beweglichkeit mich hinauszubewegen. Diese kreative Unterstützung war unbezahlbar.
Wir Kinder haben uns gegenseitig gestärkt, so gut wir konnten. Wir lachten, weinten und meisterten die Herausforderungen gemeinsam. Dieses aufrichtige Mitgefühl, das wir miteinander teilten, erzeugte echte Nähe und gab uns Kraft, über uns hinauszuwachsen. Es war keine Geste von oben herab, sondern eine Form der Verbundenheit, die niemanden in eine Opferrolle drängte.
Für mich bleibt diese Erfahrung ein Beispiel dafür, wie Mitgefühl und Empathie dazu beitragen können, einen Menschen zu stärken. Mitgefühl bedeutet, präsent zu sein, ohne sich selbst in den Hintergrund zu drängen. Es ist diese echte Verbindung, die hilft, Leid zu lindern und Menschen zu ermutigen, ihre Stärken zu entfalten.
Denk nach!
Zum Abschluss lade ich dich ein, selbst aktiv zu werden:
Reflektiere, wann du das letzte Mal Mitleid empfunden hast. „Wie hast du reagiert?“„Was hat es bewirkt?“ Versuche dich dann an eine Situation zu erinnern, in der dir jemand Mitgefühl gezeigt hat. „Wie hat sich das angefühlt?“ „Was war anders?“
Wenn dir spontan keine Beispiele einfallen, beobachte in den nächsten Tagen, wie du auf Leid reagierst – sei es in deinem Umfeld oder in dir selbst. Überlege, wo du Mitgefühl statt Mitleid zeigen könntest. Denn Mitgefühl ist nicht nur für andere – es beginnt bei uns selbst. Wenn wir lernen, uns selbst mitfühlender zu begegnen, können wir diese Haltung auch nach außen tragen.
Jetzt bist du dran: Sei kreativ!
Falls du Lust hast, deiner Kreativität Raum zu geben, lade ich dich ein, einen Baum zu zeichnen. Gib ihm starke Wurzeln, die symbolisch für Krisen und Herausforderungen fest in der Erde verankert sind, und denen starke Winde und Stürme nichts anhaben. Lass die Äste kraftvoll in die Höhe wachsen und schreibe in den Baum: „Ich brauche kein Mitleid, sondern Mitgefühl.“ Gestalte den Baum nach deinen Vorstellungen. Hänge das Bild für ein paar Tage auf, damit es dich daran erinnert, was du willst und was nicht.
Mein Wunsch
Ich würde am liebsten die nächsten Sätze in den Himmel schreiben, damit jeder sie weltweit lesen kann:
Lasst uns beginnen, Mitgefühl zu kultivieren – in uns selbst und in unserer Gesellschaft. Denn Mitleid schwächt – aber Mitgefühl hat die Kraft, uns alle zu stärken. Eine Gesellschaft, die Mitgefühl lebt, fragt nicht:
„Wie kann ich den Schwächsten bemitleiden?“, sondern: „Wie können wir gemeinsam eine Welt schaffen, in der niemand allein leidet?“
Eine Gesellschaft, die echtes, spürbares Mitgefühl lebt, bringt Menschen in ihre Kraft, statt sie kleinzuhalten. Sie reicht dir die Hand – nicht, um dich zu tragen, sondern um dich zu stützen, bis du selbst wieder gehen kannst. Vielleicht verstehst du jetzt, warum ich kein Mitleid brauche.
Abonniere den Podcast, wenn dir meine Themen und meine Art gefallen und lass uns gemeinsam etwas Neues beginnen.
Denk daran! Meine Worte entspringen meiner eigenen Innerlichkeit, meinen Erfahrungen und Wachstumsprozessen. Betrachte sie bitte als Einladung zu deiner eigenen Reise durch die inneren Landschaften deiner Welt. Finde deine Wahrheit, so wie ich meine gefunden habe, und folge dem Weg, der sich für dich richtig anfühlt – in deinem Tempo und mit deinem individuellen, künstlerischen Ausdruck. Sei dein eigener Guru, denn niemand lebt dein Leben oder hat deine Geschichte. Du allein lebst in deinem Körper, und jeder geht seinen eigenen, ureigenen Weg.
Das war die Folge 2 – Mitleid schwächt – Mitgefühl stärkt.
Danke, dass du mir deine Zeit geschenkt hast. Ich freue mich darauf, dich auf die nächste Reise mitzunehmen.
This content is blocked because it would connect to YouTube.
Worte, die bleiben – Aus meinem Leben: Begleittext zur Folge 1
Intro
Jede Folge ist ein Schritt zu dir selbst. Willkommen bei Innen.ART – dem Podcast für deine innere Landschaft, wo die Inspiration leise erwacht, Kreativität Transformation entfacht und Heilung einen Raum findet – mit mir Beate Eierle.
Einleitung
Folge 1 – Ich tue, was ich tue, nicht für euch, sondern für mich. Weil es mir Freude bereitet, es zu tun, weil es mein Lebenssinn ist, es zu tun.
Diese zwei Sätze sind mir vor gut 10 Jahren auf der Webseite von Uwe Albrecht, innerwise.com, begegnet und stehen selbst heute noch dort.
Reflexion
Von damals bis heute berühren sie mich. Die verschiedenen philosophischen und psychologischen Ebenen luden mich tagelang ein den tieferen Sinn zu reflektieren. Hat er recht mit diesen Sätzen? Tun wir Menschen eigentlich im Grunde nicht alles für uns selbst, egal wie hübsch die Verpackung der Gründe sein mag, die man sich selbst erzählt oder nach außen trägt?
Auf der einen Seite könnten diese Sätze Ausdruck einer Haltung der Selbstverantwortung oder Authentizität sein, auf der anderen Seite könnten sie auch egozentrisch oder isoliert interpretiert werden. Was meinst du so ganz spontan? Beobachte kurz, wie schnell du eventuell ein Urteil fällst. Bitte registriere das nur als eine Information. Schnelle Urteile sind ja nichts Schlimmes, wenn du sie bewusst fällst.
Philosophisch
Lass uns die Sätze mal aus der philosophischen Strömung des Existenzialismus betrachten, die sich mit der Frage nach dem individuellen Dasein und der Freiheit des Menschen auseinandersetzt. Diese Denkrichtung betont, dass das Leben keinen innewohnenden Sinn hat und jeder Mensch die Verantwortung trägt, seinen eigenen Lebenssinn zu schaffen.
Wenn ich also das tue, was mir wirklich Spaß macht, dann tue ich das für mich. Wenn ich darin sogar noch einen Sinn sehe, dann ist es in meinem Verständnis perfekt, weil ich das, was ich tue liebe und es mich zutiefst glücklich macht. Außerdem beobachte ich, dass es sich für mich eher leicht als schwer anfühlt.
Geht es dir auch so?
Psychologisch
Psychologisch gesehen könnten die Sätze ein Zeichen sein für ein kongruentes Selbst. Ein Mensch handelt im Einklang mit seinen inneren Werten und Bedürfnissen. Das würde zu Carl Rogers, dem Mitbegründer der Humanistischen Psychologie, passen, der davon ausgeht, dass Menschen Wachstum suchen und dasselbe aus ihren eigenen Ressourcen auch verwirklichen können. Es kann auch ein Zeichen sein für Frohsinn, weil ich etwas erschaffe und schaffe, statt Trübsinn, der entsteht, weil von mir etwas erwartet wird, was ich nicht erfüllen kann.
Diese zwei Sätze könnten auch als Abgrenzung, Schutzmechanismus oder Abwehrreaktion gegen soziale Erwartungen interpretiert werden, die als belastend empfunden werden. Oder sogar als Vermeidung von Verantwortung für andere interpretiert werden, was eventuell zu sozialen Konflikten führen kann.
Was also ist jetzt wahr? Wofür entscheidest du dich in deinem Inneren?
Für mich war die Antwort nach reiflicher Überlegung klar. Alles, was ich tue, egal was es ist, mache ich einzig und alleine für mich. Nicht im egoistischen Sinne, sondern aus einer integralen Perspektive.
Beim Satz: „Weil es mir Freude bereitet und es mein Lebenssinn ist“ wird deutlich, dass es um mein tieferes Selbst geht – um das, was im Integralen als höheres Selbst oder authentisches Selbst bezeichnet wird. Dieses Handeln aus Freude und Sinn überwindet das Ego, weil es nicht auf kurzfristige Bedürfnisse zielt, sondern auf die Ausrichtung an etwas, das sowohl mir als auch dem Ganzen, dem Kollektiv dient – also auch dir.
Dadurch, dass ich meine persönliche Authentizität als systemische Verbundenheit ausdrücken kann mit dem, was ich tue, verbindet sich mein individuelles inneres Wachstum, meine Freude und Sinnfindung mit dem Kollektiven. Das ist mein Beitrag für die Welt.
Ich mache ein Beispiel
Nehmen wir meinen Podcast, um es deutlicher zu machen.
Ich habe schon viele Jahre den Wunsch einen wirklich bereichernden Podcast zu machen. Immer gab es Gründe, von denen ich mich habe aufhalten lassen, mir diesen Wunsch zu erfüllen. Fragen wie:
„Bin ich gut genug? Beherrsche ich die Technik? Interessieren sich überhaupt Menschen für meine Vorlieben, für meine Sicht auf so viele Themen, die für mein Leben von Interesse waren und aktuell sind?“
Wie gerne hätte ich diese tolle Art, ins Mikrofon zu sprechen, von Jodie Foster, die im Film „Die Fremde in dir“ als Radiomoderatorin Erica Bain in New York mitspielt. Ich hatte meine Messlatte ganz schön hoch gehängt.
Oder so wie früher Jürgen Domian es Nacht für Nacht schaffte, über alles Mögliche und Unmögliche zu reden. Kennst du ihn noch aus Mitte der neunziger Jahre? Ich hörte ihn in vielen Nächten, als ich mal wieder beim Taxifahren in Düsseldorf das Geld für meine Heilpraktiker-Ausbildung verdiente. Es imponierte mir, wie offen er für jedes Thema war. Egal ob es Normalos oder Freaks waren, Verknallte oder Durchgeknallte. Die Einsamen und Verzweifelten hatten endlich einen Anlaufpunkt, sofern sie sich trauten, ihre Geschichte zu erzählen. Nacht für Nacht wurde er mit Krankheiten, Schicksalsschlägen und skurrilen Sexvorlieben konfrontiert. Ähnlich erging es mir ja auch viele Jahre beim Taxifahren.
Taxi-Jahre
Vielleicht spielen meine Taxi-Jahre auch eine Rolle für den Wunsch nach einem eigenen Podcast. Ich hörte täglich so unendlich viele Geschichten von Menschen und bekam frei Haus, oft ungefragt, die sozialen Höhen und Tiefen unserer Gesellschaft serviert. Ich erhielt Einblicke, die kaum jemand in der Vielzahl so im Leben erlebt. Diese Erfahrungen bereicherten mich sehr, was meine Menschenkenntnis betrifft, denn im Taxi entscheidest du innerhalb von Sekunden, ob du den Fahrgast mitnimmst oder nicht. Die Erfahrungen sind allerdings noch einmal ein ganz eigenes Thema.
Reflexion 1. Satz
Kehren wir zurück zu den zwei Sätzen, um die es geht. Erinnern wir uns an den ersten Satz: „Ich tue, was ich tue, nicht für euch, sondern für mich.“
Weil ich endlich nach so vielen Jahren und gescheiterten Versuchen mich immer noch nicht von meinem inneren Wunsch verabschiedet habe, folge ich heute der inneren Sehnsucht, endlich meinen Podcast auf meine Art zu machen. Jetzt gerade bin ich selbst so beseelt davon, dass es vollkommen zweitrangig ist, was du davon hältst. Versteht das bitte nicht falsch. Endlich ist es nach Jahren nicht mehr wichtig, ob ich viele Likes oder Bewunderung erhalte. Das Wesentliche ist doch, dass ich es mache und meinen Traum verwirkliche, damit ich nicht irgendwann verbittert sage: „Ach, hätte ich doch!“
Somit stimmt der Satz für mich total und betont meine Authentizität und Selbstverwirklichung auf der persönlichen Ebene. Gefühlt hat es eine Ewigkeit gedauert. Vielleicht deshalb, weil es mir früher sehr wichtig war, wie andere das fanden, was ich sagte, schrieb und tat. Schließlich sollte alles so perfekt wie möglich sein. Heute handle ich aus einer inneren, gefestigten Klarheit und Überzeugung heraus, die im Einklang steht mit einem tiefen Verständnis meiner selbst und meiner Werte.
Es scheint die richtige Zeit für mich gekommen zu sein. Vielleicht liegt es an meinem Alter, meinen inneren Wachstumsschritten in all den Jahren und der Erkenntnis, dass auch ich nicht ewig Zeit habe, meine Träume zu verwirklichen. Ich will mir auch ganz einfach nicht mehr selbst im Weg stehen. Endlich kann ich damit aufhören, und ich bin stolz darauf es jetzt endlich geschafft zu haben.
Perfekt unperfekt halt, aber besser als keinen Podcast.
Reflexion 2. Satz
So, und jetzt der zweite Satz: „Weil es mir Freude bereitet, es zu tun, weil es mein Lebenssinn ist, es zu tun.“
Dadurch, dass mir mein Podcast-Projekt total Freude macht und meinem Lebenssinn entspricht, weil ich tue das ja nicht ohne einen tieferen Grund, dient es gleichzeitig auch der Gemeinschaft. Auf der kollektiven Ebene steht es somit im Einklang mit dem größeren Ganzen. Freude und Sinn sind also keine isolierten Phänomene, sondern entstehen in einem Kontext von Beziehung und Beitrag. Und so stehen wir, du als Hörer und ich als Podcast-Sprecherin, zumindest für die Länge einer Folge in Beziehung.
Vielleicht klickt es bei dem ein oder anderen, und plötzlich fühlst du dich verbunden, obwohl wir uns real noch nie getroffen haben. Oder es klickt überhaupt nicht, und du schaltest einfach aus. Ich bin sicherlich nicht für jeden interessant. Ganz ehrlich – ich will es auch nicht mehr sein. Schön wäre es natürlich für mich, wenn du als Hörer das Gefühl bekommst, als würdest du einem Gespräch von Bekannten oder Freunden lauschen.
Systemische Ebene
Schauen wir weiter auf die systemische Ebene.
Hier könnte mein Lebenssinn eine Wirkung auf die Welt haben, z.B. im sozialen Kontext, weil er im günstigsten Fall dich inspiriert deinen Impulsen zu folgen und du nach tiefer Selbstreflexion entscheidest, deinen ureigenen Weg zu gehen.
Meine Freude ist auch nicht nur persönlich, denn ich stehe in Harmonie mit den größeren Systemen. Damit sind die Netzwerke und Beziehungen gemeint, die uns mit allem verbinden – von unserem unmittelbaren sozialen Umfeld über kulturelle und gesellschaftliche Kontexte bis hin zu ökologischen und spirituellen Dimensionen.
Da es so viele unterschiedliche Dinge gibt, an denen Menschen Freude haben, darf sich jeder auch gerne in seinem Feld ein sinnhaftes Tun suchen, das ihn glücklich macht.
Ich spüre einfach tief in mir bei meinem Podcast, wie ich in Resonanz gehe mit meinen wahren Fähigkeiten, denn die liegen in der Sprache und im Jonglieren mit Worten. Und weil es sich so stimmig anfühlt, möchte ich einfach so aus mir heraus dir und der Welt meinen Beitrag schenken. All mein Wissen, meine vielen Erfahrungen auf so unterschiedlichen Ebenen und in so vielen unterschiedlichen Themen sollen nicht einfach unausgesprochen bleiben.
So viele Menschen haben mich immer wieder angesprochen, dass ich ihnen bei Fragen, Problemen und Herausforderungen helfen soll. Warum also nicht all diese Themen in meinem Podcast ansprechen?
Bestimmt ist für jeden etwas dabei.
Die Zahl 3
Mein eigenes Leben hat so viele Facetten, damit könnte ich gut drei Leben füllen. Witzig, dass mich die Zahl Drei auch schon ganz lange begleitet: Drei Täter in meiner Kinderzeit. Meinen Namen Beate auf Bea gekürzt während meiner Abiturjahre – auch drei Buchstaben. Drei Hunde. Drei Selbstständigkeiten als Nail-Designerin, Heilpraktikerin und der Name meines Modelabels XXL-BEA – gleich zweimal drei. Drei Goldringe mit meinen Anfangsbuchstaben BEA. Mein Lebensmotto: „Bitte Einmal Anders.“ Drei Ausbildungen in der Neurogaphik®. Mein Normalgewicht verdreifacht. Heijeija. Es grüßt leider immer noch die unerlöste Essstörung. Vielleicht schaffe ich das auch noch.
Allerdings ist mir noch völlig schleierhaft, wie die Bedeutung der Zahl Drei in mein Leben passt. In der Numerologie steht sie für Kreativität und Flexibilität. Meine Lebenszahl ist ja die Zahl Vier, die Stabilität, Struktur, Disziplin, Arbeit und die Verwirklichung langfristiger Ziele repräsentiert und eine Vorliebe für Ordnung und Planung hat.
Die Zahl Drei könnte ich als Einladung verstehen, da sie für Kreativität, Leichtigkeit und Freude steht. Na ja, Kreativität habe ich satt und genug. Leichtigkeit und Freude waren nicht immer leicht für mich zu fühlen, durch meine biografischen Ereignisse. Es geht aber schon viel besser. Flexibilität kommt ganz auf den Kontext an.
Du siehst, ich stelle mir immer die Frage: „Was hat das mit mir zu tun?“
Fazit
Ich fasse meine Reflexion der zwei Sätze noch einmal zusammen:
„Ich tue, was ich tue, nicht für euch, sondern für mich.
Weil es mir Freude bereitet, es zu tun, weil es mein Lebenssinn ist, es zu tun.“
Diese Sätze sind nicht nur ein Ausdruck persönlicher Authentizität, sondern auch eine Einladung zur Reflexion. Sie führen mich auf eine Reise, die persönliche Verantwortung, Freude und Sinnhaftigkeit miteinander verbindet.
Wenn ich meinem inneren Ruf folge, handle ich nicht egoistisch, sondern authentisch – im Einklang mit meinem tieferen Selbst und zugleich verbunden mit dem Kollektiv. Denn wahre Freude und Lebenssinn entstehen, wenn mein Handeln nicht nur mir selbst, sondern auch der Gemeinschaft dient.
Mein Weg, meinen Podcast zu gestalten, ist ein Beispiel dafür: Es erfüllt mich mit Freude und gibt meinem Leben Sinn. Gleichzeitig kann es eine Inspiration für dich sein, deine eigenen Träume zu verfolgen und dein inneres Wachstum mit der Welt zu teilen.
Am Ende bleibt die wichtigste Frage:„Was möchtest du für dich und aus dir selbst heraus erschaffen, das gleichzeitig einen Beitrag für die Welt sein kann?“
Jetzt bist du dran: Sei kreativ!
Zum Abschluss lade ich dich ein, selbst aktiv zu werden: Zeichne dein persönliches „Kreis-Bild“ und reflektiere, was dir wirklich Freude bereitet und Sinn gibt – für dich selbst und im Austausch mit anderen.
Vielleicht schaffst du es bei einer gemütlichen Tasse Kaffee oder Tee einfach mal eine ICH-Zeit einzurichten. Ein paar Minuten ganz für dich alleine, ohne Störungen.
Also, nimm dir ein Blatt Papier, gerne A4 oder größer, um entspannt zu zeichnen. Zeichenblöcke für Kinder eignen sich übrigens auch gut dafür.
Zeichne einen Kreis auf das Blatt Papier und fühle, bevor du loslegst, wie groß der Kreis sein darf und wo du ihn auf dem Platt Papier verortest. Also oben, unten, rechts, links, Mitte. Alles darf sein und wird nicht bewertet. Es ist immer genau so richtig, wie du es machst. Das ist ganz wichtig, denn es geht nur um deinen kreativen Ausdruck mit dieser simplen Aufgabe und spiegelt nur den jetzigen Moment wider. Suche dir Stifte aus, die dir gefallen. Ein Kugelschreiber oder Bleistift geht auch.
In diesen Kreis malst du weitere Kreise für alles, was du wirklich nur für dich mit Freude tust und nicht für andere. Notiere dir die Aspekte. Du kannst dem Kreis gerne eine Nummer geben und auf ein separates Blatt schreiben, welches TUN sich hinter der Nummer verbirgt, wenn die Wörter nicht in den Kreis passen. Das überlasse ich ganz dir.
Dann überlegst du, was du alles für andere machst und zeichnest diese Kreise um deinen gerade gezeichneten Kreis herum. Stell dir einfach einen Planeten vor mit Umlaufbahnen und vielen kleineren oder größeren Planeten, die in verschiedenen Abständen zu sehen sind. So ähnlich kann dein Kreis-Bild aussehen. Wenn du alles bunt gestalten möchtest, so fühle dich frei, deinen Impulsen zu folgen. Male und hab Spaß wie die Kinder, die im Selbstausdruck meist tief versunken sind.
Wenn du das gemacht hast, nimmst du jeden Kreis, der für andere steht, und stellst dir eine einzige Frage:
„Was hatte ich davon, dass ich das für den anderen getan habe?“
Ich bin gespannt, was du für eine Erkenntnis hast, bezogen auf unsere zwei Sätze.
Betrachte dein Bild gerne ein paar Tage und ergänze es, sofern dir noch etwas einfällt. Lass dir Zeit. Ich male manchmal bei solchen Reflexionsarbeiten tagelang an einem Bild, weil mir meist immer noch etwas einfällt. Es darf im Inneren wirken und sich zeigen, was sich zeigen möchte.
Ich freue mich, wenn diese Übung dir im persönlichen Alltag neue Impulse schenkt. Solltest du sie auch beruflich einsetzen wollen, wäre es wunderbar, wenn du dabei meinen „Podcast-Innen.Art mit Beate Eierle“ als Quelle der Inspiration erwähnst. Danke, dass du meine Arbeit auf diese Weise wertschätzt!
Und wie immer zum Schluss:
Outro
Denk daran! Meine Worte entspringen meiner eigenen Innerlichkeit, meinen Erfahrungen und Wachstumsprozessen. Betrachte sie bitte als Einladung für deine Reise durch die inneren Landschaften deiner Welt.
Finde deine Wahrheit, so wie ich meine Wahrheit gefunden habe, und folge dem Weg, der sich für dich richtig anfühlt – in deinem Tempo und mit deinem individuellen, künstlerischen Ausdruck. Sei dein eigener Guru, denn niemand lebt dein Leben oder hat die gleiche Geschichte wie du. Du alleine lebst in deinem Körper, und jeder geht seinen ureigenen Weg.
Das war die Folge 1 – „Ich tue, was ich tue, nicht für euch, sondern für mich.“
Danke, dass du mir deine Zeit geschenkt hast. Ich freue mich auf diese Reise mit dir.
This content is blocked because it would connect to YouTube.
Worte, die bleiben – Aus meinem Leben: Begleittext zur Folge 0
Intro
Jede Folge ist ein Schritt zu dir selbst. Willkommen bei Innen.ART – dem Podcast für deine innere Landschaft, wo die Inspiration leise erwacht, Kreativität Transformation entfacht und Heilung einen Raum findet – mit mir Beate Eierle.
Einleitung
Folge 0 – Alles auf null und noch einmal von vorne.
Manchmal läuft das Leben anders, als wir es uns wünschen. Und wir stehen vor der Entscheidung: aufgeben oder neu anfangen? Ich habe mich nach langem Überlegen für einen Solo-Podcast-Neuanfang entschieden.
Mein Podcast Innen.ART ist mein ganz persönlicher Innenraum, aus dem ich euch Einblicke in meinen Lebensweg gebe. Künftig möchte ich euch auf eine inspirierende Reise mitnehmen und euch gleichzeitig auf eurer eigenen Reise begleiten.
Warum jetzt einen Solo-Podcast?
Beziehungen verändern sich, Pläne scheitern, Zukunftsvisionen lösen sich aus unerklärlichen Gründen in Luft auf. Nach einer sehr schmerzhaften Rückzugszeit, vielen stillen Tränen und unzähligen Überlegungen über Fragen, die für mich unbeantwortet blieben, blieb mir nichts anderes übrig, als all das zu akzeptieren, was sich scheinbar nicht ändern ließ.
In dieser Zeit erinnerte ich mich an das Gelassenheitsgebet der Selbsthilfegruppen der Overeaters Anonymous (kurz OA genannt), einer gemeinnützigen Gemeinschaft für Menschen mit Essstörungen. Diese Gruppen verwenden das Gelassenheitsgebet in ihrer Literatur und sprechen es bei ihren Treffen gemeinsam:
Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.
Wichtig bei diesem Gebet ist in meinen Augen, dass „hinnehmen“ hier nicht bedeutet, dass ich einverstanden bin. Es bedeutet nur, keinen aussichtslosen Kampf zu führen und anzuerkennen, was gerade ist. Das klingt so leicht und ist doch so schwer. Wenn wir uns selbst eine Zeit lang beobachten, können wir vielleicht feststellen, wie viel Kraft wir für Dinge aufwenden, die wir nicht wirklich ändern können.
Vielleicht kennt ihr das: Man schmiedet Pläne, träumt von einem gemeinsamen Projekt und glaubt, dass es etwas Großes wird. Doch manchmal zeigt sich, dass nicht jeder den gleichen Weg gehen möchte. Genau das habe ich erlebt. Ein Podcast zu zweit – das war damals die Idee. Wie großartig, endlich nicht immer alles alleine machen zu müssen. Aber irgendwann wurde klar, dass unser Tempo, unsere Ziele und unsere Vorstellungen einfach nicht zueinanderpassen.
Ich habe lange gezögert, doch dann habe ich erkannt: Es ist Zeit, mich nicht länger aufzuhalten und mich auch nicht durch andere aufhalten zu lassen. Es ist Zeit, auf mich selbst zu vertrauen und meine ureigenen Ideen endlich umzusetzen – auf meine Art und Weise.
So wie es für dich wichtig ist, es auf deine Art und Weise zu machen, egal, worum es in deinem Leben geht.
Themenvorschau
Hier im Innen.ART-Podcast geht es um deine innere Landschaft – wo Inspirationen leise erwachen dürfen und die ureigene Kreativität deine Transformation entfacht, damit Wachstum und Heilung einen individuellen Raum in dir finden können.
Es geht um Themen wie gebrochene Lebenswege, persönliche Krisen und Neustarts, Tabuthemen, Trauma und seine vielen Gesichter. Ich spreche über die inneren Kinder, Schattenarbeit und was ich unter „artgerechtes SoSein im DaSein“ verstehe.
All das und viel mehr habe ich auf meinem eigenen Lebensweg und in vielen Wachstumsprozessen durchlebt. Meine vielschichtigen, persönlichen Erfahrungen möchte ich mit euch teilen und zeigen, wie wichtig Kreativität und der eigene künstlerische Ausdruck für mich waren – und immer noch sind –, um all die Herausforderungen des Lebens anzunehmen und zu meistern. So wird Transformation und Wachstum möglich, auch für die kleinen und großen Entscheidungen des Lebens.
Meine Ideen, meine Kreativität und Kunst waren immer das Gegengewicht zu den vielen dunklen Stunden in meinem Leben. Ihr wisst ja: Die Medaille hat immer zwei Seiten. Wenn man sich zu sehr auf eine Seite fokussiert, gerät man leicht in ein Ungleichgewicht und vergisst, wie schön das Leben sein kann – auch wenn es einem gerade um die Ohren fliegt.
Und wenn es besonders schlimm war, bin ich einfach raus in die Natur gegangen. Meist mit meiner kleinen Digitalkamera-Freundin, um mir durch die Linse die Schönheiten anzusehen, die Mutter Natur tagtäglich erschafft. Das half mir oft, den Blick zu schärfen und den Dramen meines Lebens die Kraft zu rauben – und damit auch die Wirkungen, die sie ungefiltert auf mich hatten.
Dieser Podcast ist für alle, die sich inspirieren lassen und selbst den Mut finden wollen, neu anzufangen – frei nach dem Lied der Toten Hosen: „Steh auf, wenn du am Boden liegst.“
Es geht um Lebenskunst, die Fähigkeit zu gestalten und selbst Schöpfer zu sein, statt das Leben nur zu ertragen. Es geht um das Zusammenspiel von Kopf, Bauch und Herz in einer Welt voller Lärm und maßgeschneiderter Konzepte. Für alle, die den Mut haben, sich selbst zu hinterfragen, die eigenen Projektionen zu entdecken und das eigene Denken auf den Kopf zu stellen. Für diejenigen, die sich trauen, die kuschelige Komfortzone zu verlassen und neugierig sind, was es sonst noch zu entdecken gibt.
Für diejenigen, die sich ihrer selbst bewusst werden wollen, statt nur selbstbewusst zu sein.
Und natürlich geht es ganz viel um Intuition, den inneren Künstler, die innere Künstlerin und künstlerische Schaffensprozesse. Kreativität als Mittel auf der Suche nach Klarheit und dem tieferen Sinn für das eigene Leben. Dieser Podcast ist für diejenigen unter euch, die mehr von sich und dem Leben wollen.
Dieser Podcast ist nicht für diejenigen, die keine Freude an Tiefsinn haben, die einen 08/15-Weg suchen und gerne nur konsumieren, ohne in Selbstreflexion zu gehen. Auch ist er nicht für diejenigen, die Persönlichkeitsentwicklung wollen – denn ich beschäftige mich nicht mit den Masken, die sich jeder schon seit seiner Kindheit angezogen hat, um im „Menschenrudel“ klarzukommen und nicht verstoßen zu werden.
Etymologie Persönlichkeit
Schauen wir uns einmal die Etymologie des Wortes „Persönlichkeit“ an.
Das Wort „Persönlichkeit“ stammt vom lateinischen Wort „persona“ ab, das sich auf eine Theatermaske bezieht, die von Darstellern getragen wird, um Rollen zu spielen oder ihre Identität zu verschleiern. Was wird also in der Persönlichkeitsentwicklung geschult oder trainiert? Na klar: Soft Skills, damit du im gesellschaftlichen Kontext angepasst bist. Grundsätzlich okay – wer es braucht. Aber das findest du in meinem Podcast nicht. Hier geht es um deinen inneren Kern, deine Wesenheit, deine Eigenarten, die es zu entdecken gilt – und zu lernen, dazu zu stehen.
Keine Konzepte, sondern Inspiration
Auch falsch sind hier diejenigen, die nach einem Lösungskonzept für ihre eigenen Lebensthemen suchen. Ich biete keine Konzepte an, sondern erzähle von meinen eigenen Wegen, die ich gegangen bin. Diese sollen euch im besten Fall inspirieren oder einladen, euch selbst zu hinterfragen. Prüft, was für euch passt und wie ihr es individuell an eure Herausforderungen im Leben anpassen könnt.
Warum noch ein Podcast?
Warum mache ich jetzt ausgerechnet auch noch einen Podcast, wo es doch schon so viele gibt?
In vielen Begegnungen und Gesprächen mit Menschen habe ich eines immer wieder festgestellt – und auch bei mir selbst erlebt: Jeder Mensch hat seine eigenen Kanäle, durch die etwas zu ihm durchdringt. Hundert Menschen können Ähnliches sagen, doch erst beim Einhundertersten verstehen wir es plötzlich.
Es ist die Art und Weise, das Wording wie jemand etwas erklärt oder lehrt, wie er Informationen analysiert und aufbereitet – oder wie er authentisch und ungeschönt aus seinem Leben berichtet. Diese Echtheit ermöglicht es dir, in Resonanz zu gehen, intuitiv zu spüren: „Das ist stimmig für mich.“
In einer Gesellschaft, die – wie der renommierte Psychotherapeut und Bestsellerautor Dr. Hans-Joachim Maaz in einem Interview sagte – von individuellen narzisstischen Persönlichkeitsstörungen durchzogen ist, die in solcher Masse auftreten, dass sie zu einer pathologisch kranken Gesellschaft, einer Normopathie, werden, braucht es Gegengewichte.
Unsere Konsum- und Wettbewerbsgesellschaft hat kein Interesse an unserem inneren Kern, unseren wirklichen Bedürfnissen. Sie möchte nicht wissen, wer wir wirklich sind – mit all den Sonnen- und Schattenseiten unseres Lebens. Und über Tabus möchte sie schon lange nicht sprechen. Doch diese Themen drängen immer stärker an die Oberfläche. Längst werden Stimmen laut, die von dem sprechen, worüber wir als Gesellschaft viel zu lange geschwiegen haben. Der Begriff „kollektives Trauma“ sickert langsam in alle Gesellschaftsschichten und zeigt ungeschönt seine vielen Facetten.
Auch ich habe fast fünfzig Jahre geschwiegen – aus Angst vor Ablehnung und Ausgrenzung, wenn jemand die dunkle Geschichte meiner Familie erfährt. Weil ich all das überwunden habe und weil es da draußen in der Welt viele ähnliche Tabugeschichten gibt, so viel Leid von Menschen, die nicht wissen, wohin sie sich wenden können oder wie sie sich selbst helfen können, deshalb mache ich meinen Podcast Innen.ART.
Kunst als Sprache der Wahrheit
All diesen Lebensgeschichten und Erfahrungen möchte ich eine Stimme und Bilder geben – in dem Sinne, wie es die deutschsprachige Schriftstellerin des 20. Jahrhunderts, Ingeborg Bachmann, so treffend in ihrem Zitat formulierte:
Die Wahrheit ist den Menschen zumutbar.
Ingeborg Bachmann
Kunst war und ist immer noch Teil der Gesellschaft. Auch ihr dürft den Künstler in euch entdecken und eurem Leben Ausdruck geben – ohne Zensur und ohne Beurteilung. In der Fähigkeit, Kunst zu erschaffen, überschreiten wir unsere eigenen Begrenzungen. Sei es durch das Schaffen oder das Interpretieren: Kunst eröffnet den Dialog zwischen unterschiedlichen Perspektiven und Erfahrungen. So erweitern wir unseren Blick auf die Welt und auf uns selbst.
Einladung zur Kreativität
Ich möchte euch einladen, auf den weißen, nackten Leinwänden des Lebens eure ganz eigenen Spuren zu hinterlassen – egal ob in Worten oder Bildern. Kreativität kennt keine Grenzen.
Ich nutze Sprache in Form von Lyrik und Prosa, sowie Geschichten, die ich unter meinem Künstlerpseudonym Bea Anders schreibe. Mit verschiedenen Malmitteln, Buntstiften und Kreiden hinterlasse ich meine Spuren, meist auf Papier und Leinwänden.
Aktuell kritzle ich viel, weil es eine rein intuitive Methode ist. Es gibt keine vordefinierten Regeln, keine Modelle und keine Anleitungen – nichts, was einen Einfluss ausüben könnte. Unser Gehirn ist schlau und folgt gern einem Regelwerk. Beim Kritzeln gibt es jedoch kein „richtig“ oder „falsch“ – es zeigt sich einfach nur das, was ist.
Neurographik® und Ästhetisches Coaching
Als Neurographik®-Trainerin und Ästhetischer Coach nutze ich auch gerne diese Zeichenmethode, wenn es darum geht, kognitiv mit Themen zu arbeiten und Herausforderungen sowie Ergebnisse in einer grafischen Lösung sichtbar zu machen. Wer die Neurographik® anwendet, entwickelt im Laufe der Zeit eine eigene, einzigartige grafische Sprache – eine sogenannte zeichnerische Handschrift.
Mode
Mit Stoff erschaffe ich meine eigene Mode – so, wie sie mir gefällt. Ich lasse mir nicht diktieren, was gerade Trend ist. Ich trage das, worin ich mich wohlfühle.
Über mich
Damit ihr wisst, mit wem ihr es hier zu tun habt: In erster Linie verstehe ich mich als ein helfender Mensch.
Ich bin Jahrgang 1959 und lebe seit über 30 Jahren in einer festen Partnerschaft – mit allen Höhen und Tiefen, die man sich nur vorstellen kann. Als Kölsches Kind bin ich dem Rheinland treu geblieben und wohne seit 1998 in Mülheim an der Ruhr.
Zwanzig Jahre war ich Hundemama für einen Old English Sheepdog (auch Bobtail genannt), eine Shih-Tzu-Hündin, bei der ich oft das Gefühl hatte, eine Reinkarnation des Bobtails vor mir zu haben, den ich schon im Alter von drei Jahren an einen Hirntumor verlor, und eine Findlingshündin, die ich 1992 aus einem Türkei-Urlaub mitbrachte. Sie hatte die Augen noch geschlossen und war damals keine 14 Tage alt, als Hotelgäste sie fanden. Ich zog sie mit der Flasche groß – eine Herausforderung, die ich nicht missen möchte.
Was ich allerdings im Rückblick sagen kann: Straßenhunde sind echt anders.
Emotionale Vergangenheitsbewältigung
Als Kind der Kriegskinder trage ich Spuren der Schrecken der Vergangenheit in mir. Auf meinem Weg emotionaler Vergangenheitsbewältigung kam es zu unzähligen Brüchen in meinem Leben. Für mich sind es bis heute Lern- und Entwicklungsräume.
Mein biografisches Erbe als Kraftquelle zu erkennen und zu nutzen, ist das Ergebnis jahrelanger innerer Arbeit und Selbstreflexion. Plötzlich stand meine eigene Biografie – und mein Verhalten – in einem anderen Licht: dem Licht der Familiengeschichte.
Erst heute begreife ich, welche Ressourcen und Kompetenzen ich in all den Jahren entwickelt habe. Ich erkenne, wie wichtig meine Erfahrungen sind und welchen großen Einfluss meine Kreativität hatte, um nicht an den Herausforderungen meines Lebens zu zerbrechen.
Abschließende Gedanken und Einladung
Wer noch detaillierter etwas über mich erfahren möchte, den lade ich ein, meine Webseite www.beate-eierle.de zu besuchen. Dort findet ihr meine persönliche Heldenreise in Zahlen, Daten und Fakten.
Auf meiner privaten Webseite www.beate4punkt0.de könnt ihr mehr über meine verschiedenen „Ich-Versionen“ erfahren. Auch das ist Teil meiner biografischen Notizen und meiner persönlichen Entwicklung.
So, ich denke, das reicht für den ersten Eindruck. Oder?
Abschluss
Dies ist erst der Anfang. In den kommenden Folgen nehme ich euch mit auf eine sehr persönliche Reise voller Erkenntnisse, Geschichten und Inspirationen. Wenn ihr das Gefühl habt, an einem Wendepunkt zu stehen – oder einfach neugierig seid, wie man nach Rückschlägen wieder aufsteht – dann seid ihr hier genau richtig.
Denkt daran! Meine Worte entspringen meiner eigenen Innerlichkeit, meinen Erfahrungen und Wachstumsprozessen. Betrachtet sie bitte als Einladung für eure Reise durch die inneren Landschaften eurer Welt. Findet eure Wahrheit, so wie ich meine Wahrheit gefunden habe, und folgt dem Weg, der sich für euch richtig anfühlt – in eurem Tempo und mit eurem individuellen, künstlerischen Ausdruck. Seid euer eigener Guru, denn niemand lebt euer Leben oder hat die gleiche Geschichte wie ihr. Ihr alleine lebt in euren Körpern, und jeder geht seinen ureigenen Weg.
Das war die berühmte Folge Null, die man in der Podcastszene entweder braucht – oder eben nicht. Alles auf null – und noch einmal von vorne.
Danke, dass ihr mir eure Zeit geschenkt habt. Ich freue mich auf diese Reise mit euch.