{"id":301,"date":"2025-11-15T11:45:15","date_gmt":"2025-11-15T10:45:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.beate-eierle.de\/funken-schwarz-schatten-gold\/?p=301"},"modified":"2025-12-22T12:12:22","modified_gmt":"2025-12-22T11:12:22","slug":"die-verbannten-inneren-anteile","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.beate-eierle.de\/funken-schwarz-schatten-gold\/die-verbannten-inneren-anteile\/","title":{"rendered":"Die verbannten inneren Anteile"},"content":{"rendered":"\n<div style=\"height:100px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"639\" height=\"600\" src=\"https:\/\/www.beate-eierle.de\/funken-schwarz-schatten-gold\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/verbannte-innere-anteile-639x600.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-303\" srcset=\"https:\/\/www.beate-eierle.de\/funken-schwarz-schatten-gold\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/verbannte-innere-anteile-639x600.jpg 639w, https:\/\/www.beate-eierle.de\/funken-schwarz-schatten-gold\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/verbannte-innere-anteile-298x280.jpg 298w, https:\/\/www.beate-eierle.de\/funken-schwarz-schatten-gold\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/verbannte-innere-anteile-768x722.jpg 768w, https:\/\/www.beate-eierle.de\/funken-schwarz-schatten-gold\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/verbannte-innere-anteile-150x141.jpg 150w, https:\/\/www.beate-eierle.de\/funken-schwarz-schatten-gold\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/verbannte-innere-anteile.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 639px) 100vw, 639px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<div style=\"height:100px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p>Wenn wir gesellschaftlich von verbannten inneren Anteilen sprechen, denken die meisten nur an die dunklen Seiten. An Wut, Aggression, Scham und Schuld. An die Gef\u00fchle und Impulse, die wir oft als Kinder schon wegdr\u00fccken mussten, weil sie nicht sein durften. Weil sie gef\u00e4hrlich waren und nicht ins Bild passten von dem, wer wir sein sollten.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber Trauma verbannt nicht nur die Dunkelheit.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:50px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Es verbannt auch das Licht<\/h2>\n\n\n\n<p>Lebendigkeit, pure Freude, Leichtigkeit, das Lachen, die Unbeschwertheit. Die F\u00e4higkeit, \u00fcber sich selbst zu lachen. Die Spontaneit\u00e4t, die Kinder so nat\u00fcrlich haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Kind wurde ich sehr ernst. Schaue ich heute auf alte Kinderfotos, sehe ich kaum ein Lachen, denn mir ist buchst\u00e4blich das Lachen vergangen. Das Trauma hat es mir leise, schleichend, gr\u00fcndlich genommen. Leider ist es bis heute so geblieben.<\/p>\n\n\n\n<p>Wirklich herzhaft zu lachen gelingt mir nur, wenn ich mitgerissen werde durch \u00e4u\u00dfere Impulse von Menschen. Dann geht es pl\u00f6tzlich so leicht. Dann kann ich so sch\u00f6n lachen. Wie beim Lachyoga in einer Gruppe. Aber aus mir selbst heraus? Sehr selten. \u00dcber mich selbst lachen k\u00f6nnen, ist gef\u00fchlt fast unm\u00f6glich. Es ist mir f\u00f6rmlich verloren gegangen durch die vielen dunklen Zeiten in meinem Leben.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich sehe bis heute noch alles sehr ernst. Diese Spur des Traumas hat sich tief eingebrannt. Manchmal finde ich es befremdlich, wenn andere alles so leicht und lustig sehen, wo doch vieles eben halt so nicht ist. Die Leichtigkeit des Lebens ist irgendwie nicht mehr sp\u00fcrbar f\u00fcr mich bei so viel Lasten auf Kinderschultern.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:50px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Das ist eine der Folgen des Schwarzen<\/h2>\n\n\n\n<p>Nicht nur die Wunden bleiben, die Angst, der Schmerz, oder die Hypervigilanz (erh\u00f6hte Wachsamkeit). Auch das, was uns als Menschen so lebendig macht, kann pl\u00f6tzlich verschwinden. Die Freude wird in die tiefsten Ebenen verbannt und die Leichtigkeit gesellt sich aus Sympathie dazu.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:50px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Warum werden die hellen Teile verbannt?<\/h2>\n\n\n\n<p>Weil Freude im Schwarz gef\u00e4hrlich und Leichtigkeit nicht angemessen war. Weil Lachen zu laut war, zu auff\u00e4llig, viel zu riskant. Weil Lebendigkeit Aufmerksamkeit auf sich zog und Aufmerksamkeit konnte schwere Folgen haben.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Weil ich als Kind lernte:<\/strong> Ernst, still und unsichtbar zu sein ist sicherer.<\/p>\n\n\n\n<p>Und so wurde die Lebendigkeit in der Tiefe weggeschlossen. Zusammen mit der Wut, der Trauer, der Angst. Alles, was zu gro\u00df war, zu laut, zu viel musste weg.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:50px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die verbannten Teile verschwinden nicht<\/h2>\n\n\n\n<p>Sie gehen nur ins Exil. Sie ziehen sich zur\u00fcck in die tiefsten Winkel unseres Seins. Und von dort wirken sie. Unsichtbar, aber m\u00e4chtig.<\/p>\n\n\n\n<p>Die verbannte Wut wird zu Depression, die Trauer zur emotionalen Taubheit und die Angst wird zu Kontrolle.<\/p>\n\n\n\n<p>Und die verbannte Freude? Die verbannte Leichtigkeit?<\/p>\n\n\n\n<p>Sie wird zu Schwere und zu Ernst. Zu einem Leben, das funktioniert, aber nicht pulsiert. Zu einem Dasein in Graut\u00f6nen, wo eigentlich Farben sein k\u00f6nnten.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:50px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Ganzheit bedeutet alle Teile zur\u00fcckholen<\/h2>\n\n\n\n<p>Nicht nur die dunklen, auch die hellen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nicht nur die Wut integrieren, die Trauer f\u00fchlen, die Angst anerkennen. Sondern auch die Freude zur\u00fcckholen, die Leichtigkeit wiederentdecken und das Lachen befreien. Das ist vielleicht sogar schwerer als die Arbeit mit dem Dunklen. Denn das Dunkle kennen wir und ist uns so vertraut.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber die Freude? Die Leichtigkeit? Die f\u00fchlen sich fremd an. Gef\u00e4hrlich, unpassend, als w\u00fcrden sie nicht zu uns geh\u00f6ren. Als h\u00e4tten wir kein Recht darauf.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:50px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Ich bin vollkommen in meiner Unvollkommenheit<\/h2>\n\n\n\n<p><strong>Das bedeutet:<\/strong> Ich bin beides. Ich bin die Schwere UND die Leichtigkeit. Die Trauer UND die Freude. Der Ernst UND das Lachen.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch wenn ich das Lachen noch nicht zur\u00fcckgeholt habe. Auch wenn die Leichtigkeit noch fern ist. Sie geh\u00f6rt zu mir. Sie ist ein Teil von mir, der darauf wartet, wieder bewusst gesehen zu werden.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:50px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die verbannten Teile zur\u00fcckzuholen ist Arbeit<\/h2>\n\n\n\n<p>Es ist nicht so, dass wir einfach beschlie\u00dfen: \u201eJetzt bin ich wieder fr\u00f6hlich!\u201c, und es geschieht. Es ist ein Prozess. Ein langer, manchmal schmerzhafter Prozess, bis alle Gef\u00fchle gef\u00fchlt und verk\u00f6rpert sind. Es bedeutet, die Teile zu finden, die wir in uns weggeschlossen haben. Sie anzuschauen und sie zu begr\u00fc\u00dfen, wie G\u00e4ste, die endlich gesehen, geh\u00f6rt und gef\u00fchlt werden wollen. Ihnen Raum zu geben, mit ihren Geschichten, die sie in sich tragen und sie langsam, behutsam, Schritt f\u00fcr Schritt zu integrieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Manchmal braucht es \u00e4u\u00dfere Impulse oder Menschen, die uns mitrei\u00dfen. Situationen, die uns aus der Ernsthaftigkeit herauskatapultieren. Momente, in denen die Leichtigkeit sich einen Weg bahnt, auch wenn wir ihr die T\u00fcr verschlossen hatten.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:50px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Und manchmal braucht es die Akzeptanz<\/h2>\n\n\n\n<p>Dass, ich heute noch ernst bin und mir das Lachen schwerf\u00e4llt. <br>Dass, die Leichtigkeit des Lebens oft nicht sp\u00fcrbar ist. <br>Dass, das okay ist. <br>Dass ich trotzdem ganz bin, mit diesem verbannten Teil, der noch im Exil lebt.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:50px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die verbannten Teile zeigen sich trotzdem auf anderen Wegen<\/h2>\n\n\n\n<p>Auch wenn ich die Freude, die Leichtigkeit, das bunte Leben im Alltag nicht direkt sp\u00fcren kann. In meiner Kunst sind sie da. In den Bildern, die ich erschaffe. In der Neurographik, in den Kritzelbildern, den vielen bunten Aquarellbildern. In den Farben, die ich w\u00e4hle.<\/p>\n\n\n\n<p>Mein <a href=\"https:\/\/www.inspiratiografie.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/ng-2022-goldener-schnitt-trauma-1.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Traumabaum<\/a> zum Beispiel. Er strahlt f\u00f6rmlich. Links das Schwarz, die Ver\u00e4stelungen, das Dunkle, die schmerzhafte Vergangenheit. Rechts das Bunte, das Lebendige, die Farben. Beide Seiten in einem Bild. Beide Seiten in mir.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcber die k\u00fcnstlerische Arbeit kann ich die Freude in Szene setzen, die mir im direkten Leben nicht immer zug\u00e4nglich ist. Die Bilder zeigen die Lebendigkeit, die in mir existiert \u2013 auch wenn ich sie durch die Schwere oft nicht f\u00fchle.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:50px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Das ist auch UND<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Freude ist verbannt UND sie zeigt sich trotzdem. Die Leichtigkeit ist verloren UND sie lebt in den Farben. Das Lachen ist verstummt UND es strahlt aus den Bildern.<\/p>\n\n\n\n<p>Nichts ist wirklich weg. Alles ist noch da. Nur manchmal auf anderen Wegen, in anderen Formen, durch andere Ausdr\u00fccke.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:50px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Ganzheit ist kein Zustand, den wir erreichen<\/h2>\n\n\n\n<p>Ganzheit ist ein Prozess. Ein st\u00e4ndiges Hin und Her zwischen dem, was wir zur\u00fcckgeholt haben, und dem, was noch im Schatten liegt. Zwischen dem, was wir integriert haben, und dem, was noch auf Transformation wartet.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:50px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Ich bin alles!<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Schwere UND die Leichtigkeit, auch wenn ich die Leichtigkeit noch nicht f\u00fchle. Der Ernst UND das Lachen, auch wenn das Lachen noch verschlossen ist. Die Trauer UND die Freude, auch wenn die Freude noch verbannt ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich bin nicht entweder\/oder. <strong>Ich bin UND.<\/strong><br><strong>Vollkommen in meiner Unvollkommenheit.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Mit allen Teilen \u2013 den sichtbaren und den unsichtbaren, den zur\u00fcckgeholten und den noch verbannten im Exil.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:50px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"has-text-align-center\">Man sollte mit inneren Anteilen so umgehen,<br>wie man mit kleinen Kindern umgehen w\u00fcrde: <br>aufmerksam, zugewandt, wohlwollend und respektvoll.<br><br>\u00a9 Verena K\u00f6nig<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn wir gesellschaftlich von verbannten inneren Anteilen sprechen, denken die meisten nur an die dunklen Seiten. An Wut, Aggression, Scham und Schuld. 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